Mindestlohn: Wie der Zeitungsbote die Pressevielfalt rettet

Screenshot 2015-04-01 14.39.45 Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger argumentiert tatsächlich mit der Pressevielfalt gegen die Würde des Menschen. Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, sieht nämlich den Mindestlohn als einen Angriff auf die  Pressevielfalt, wie er in seinem Beitrag „Pressevielfalt bleibt auf der Strecke“ kritisiert. In manchen ländlichen Gebieten erhalten Abonnenten wohl bald keine Tageszeitung mehr, da sich die Zustellung betriebswirtschaftlich dort nicht lohnt. Zur Erinnerung: Wir befinden uns in Deutschland – im Jahre 2015. Diese Gedankengänge sind schon recht skurril und ich muss zugeben, dass es mir schwer fällt, diese objektiv zu entwirren. Denn natürlich kommen auf Unternehmen, deren Geschäftsmodelle darauf beruhten und vertrauten, dass Mitarbeitern ein menschenunwürdiger Lohn gezahlt werden durfte, nun unangenehme Zeiten zu. Und ja, einige werden das vielleicht nicht überleben. Der Mindestlohn ist damit aber nur der Indikator für unwirtschaftliche Geschäftsmodelle und mangelnde Innovationsbereitschaft. In vielen Firmen konnten Fehlplanungen und Missmanagement lange Zeit unter Personaleinsparungen oder geringen Löhnen vergraben werden. Der Mindestlohn hat als nette Begleiterscheinung nun einige davon, nach gerade einmal 100 Tagen, ausgegraben.

Ist Pressevielfalt nicht einmal 8,50 Euro wert?  

Aber noch einmal kurz auf Anfang. Seit dem 01. Januar 2015 gilt der bundesweite Mindestlohn von 8,50 Euro pro geleisteter Arbeitsstunde. Dieser gilt für alle Arbeitnehmer, sogar für viele Praktikanten. Also auch für Zeitungszusteller sollte man meinen. Das ist aber nicht der Fall, denn ein Zeitungsbote ist so wichtig oder auch systemrelevant, dass er den Mindestlohn nicht wert ist. Mit seiner Arbeitskraft soll er die im Artikel 5 des Grundgesetzes verankerte Pressefreiheit retten, in dem er die Pressevielfalt auch in der deutschen Pampa garantiert. Eine staatstragende Aufgabe sozusagen, die doch mindestens mit dem Mindestlohn wertgeschätzt werden sollte. Für Zeitungszusteller gilt aber die im Gesetz festgelegte Übergangsfrist bis 2017. Zeitungszusteller erhalten aktuell gerade einmal 75% des Mindestlohns, ab 2016 dann 85% und ab 2017 voraussichtlich 100%. Aber bis dahin fließt noch viel Druckerschwärze durch die Druckerpressen des Landes und zahlreiche Lobbyisten der Branche werden die Politik umgarnen.   Nun wurden nach Angaben des BDZV bereits 2000 der 300.000 Zusteller entlassen – bedingt durch den Mindestlohn, wie Dietmar Wolff sagt. Bedingt durch fehlende Zukunftsplanungen, würde ich dagegen sagen. Wenn die Zeitungsbranche seinem Zustellpersonal keine 6,38 Euro Stundenlohn zahlen kann, insgesamt keine Mehrkosten von 205 Millionen Euro verkraftet, dann hat sie selbst die Pressevielfalt und Pressefreiheit mehr gefährdet als es der Mindestlohn tun könnte. Ganz nach dem Motto „Wir sind für Pressefreiheit, aber nur für 3,50 Euro die Stunde“.  

Der Bote ist immer der Gärtner  

Historisch gesehen war der Bote als Überbringer schlechter Nachrichten schon immer der Angeschmierte. Nun ist er es, weil er gar keine Nachrichten mehr überbringen darf – weder gute noch schlechte. Es ist zu vermuten, dass die schnellen Entlassungen des Personals auch ein Druck auf Politik und Gesellschaft darstellen sollen. Das ist bitter. Denn was ist eine Arbeit wert, von der viele Boten nicht leben können und daher mit Hartz IV aufstocken müssen. Oder den Job nutzen, um Hartz IV mit 74 Euro im Monat aufzubessern? In den Gedankengängen von Herrn Wolff bedeutet dies, dass wir  alle für die Pressevielfalt mit unseren Steuergeldern bezahlen.  Doch was sagt das über eine Gesellschaft aus, die Ausbeutung hintenherum finanziert, aber die aus Ausbeutung resultierenden Gewinne in guten Zeiten den Unternehmen aufs Konto bucht? Dieses Geld sollte eher in Weiterbildungen oder Umschulungen fließen, damit Arbeit, und damit auch der Wert des Menschen, wieder geschätzt wird. Und nachhaltiger ist es allemal. Oder glaubt jemand, dass der Zeitungsbranche bis 2017 die ultimative Geschäftsidee im Digitalen auf den Kopf gefallen ist? Oder der „neue geile Scheiß“? – wie ein Freund von mir sagen würde.

Der flexible Kunde  

Ich kenne sehr viele Menschen, die genau wie ich, der Zeitungsbranche reichlich Geld zukommen lassen würden. Es ist nämlich so, dass wir Leser nicht nur in Dimensionen von 6,38 Euro bis 8,50 Euro denken, sondern sehr viel innovativer sind. Und vor allem: Wir kennen unsere Bedürfnisse am besten. Würden diese befriedigt, so könnte dies den Verlagen viel Geld in die Kassen spülen. Im Grunde hat die Digitalisierung nur die Ideenlosigkeit der Branche überdeckt und verstärkt. Da bekommt die so kaufanregende und herzliche Marketingbombe „Paywall“ eine ganz besondere Bedeutung. Kunden möchten heute flexibel sein. Sie möchten tolle Texte von wunderbaren Autoren und Journalisten lesen, von denen es glücklicherweise reichlich gibt. Leser möchten lesen. Digital. Auch in Print. Besonders auch in Print. Warum muss ich aber die ganze Zeitung abonnieren, wenn mich der Sport- und Wirtschaftsteil gar nicht interessiert? Warum kann mir der mindestlohnbezahlte Bote nicht am Wochenende meine persönliche Zeitung bringen? Wo sind die Themenpakete? Auch frage ich mich, warum es noch keine Kooperationen gibt, weil ich doch so gerne die großartige Kolumne von Carolin Emcke mit dem Feuilleton der FAZ kombinieren würde. Aber zwei Abos, wenn man nicht einmal eines schafft? Wie oft sind meine Zeitungen im Briefkasten vergammelt, weil ich kurzfristig nicht da war. Wie toll wäre es gewesen, ich hätte das über eine App steuern können. Mann stelle sich vor, ich hätte einen QR Code gesendet bekommen, um mir meine Zeitung schnell woanders zu besorgen? Leider ist die Kommunikation bei den meisten Verlagen aber noch eher auf der Stufe von Brieftauben. Das ist sehr schade und wenig zeitgemäß. Auch das ist ein Grund, weshalb ich mittlerweile kein Zeitungsabo mehr habe, leider. Obwohl ich viel Zeitung lese. Ich wäre ein guter Kunde – verrückt!

P.S.  

Dietmar Wolff schreibt in seinem Beitrag, dass Pressevielfalt und der Zugang zur Presse dem Gemeinwohl dienen würde und der Staat das Funktionieren des Pressevertriebs bislang begleitet hat. Doch diese ordnende Balance sei durch die zwanghafte Umstellung auf Mindestlohn nun verloren gegangen. Zu diesem tollen Funktionieren des Pressevertriebs möchte ich Herrn Wolff gerne eine Frage stellen: „Würden Sie für einem Stundenlohn von 6,38 Euro, 7,22 Euro oder 8,50 Euro arbeiten?“ Diese Frage darf auch gerne von allen anderen Zeitungsverlegern, Personalchefs, Firmenbossen und Gegnern des Mindestlohns beantwortet werden. Ihre Antworten schicken Sie bitte an mindestlohn@anja-urbschat.de – diese werde ich gerne auf meinem Blog veröffentlichen. Beitrag ist ebenfalls erschienen auf Huffington Post   

#Lernen kann doch Spaß machen – Unterhaltsamer Arschretter für Jung & Alt – für Schule, Studium & Job #1buch1satz

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Lebenslanges Lernen – Wow!

Mitten im Berufsleben habe ich noch einmal mit einem Studium begonnen, an einer Fernuniversität und neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob.

Mit reichlich Erfahrung und größter Eigenmotivation sollte das doch zu schaffen sein. Schließlich habe ich zahlreiche Zeitmanagement-Seminare im Laufe meiner Karriere besuchen dürfen und das ein oder andere Buch hatte ich als Buchhändlerin dazu ja auch schon gelesen. Oder zumindest in den Händen.

  • Unter Zeitdruck arbeiten? Kein Problem!
  • Organisation? Kinderteller!
  • Selbstmotivation? Gelernt ist gelernt!

Von der nötigen Lebenserfahrung – mit 40! – ganz zu schweigen.

Um den Spannungsbogen nicht unnötig zu überziehen – trotz sehr gutem Rüstzeug war ich nach nicht einmal einem Jahr absolut überfordert. Konzentrationsprobleme, Lernblockade, chronischer Zeitmangel, sozial isoliert und dunkle Augenringe, um nur ein paar der hässlichen Nebenwirkungen zu nennen.

Man bringt sehr viel Energie und Motivation für Job, Studium und Familie auf – die Wertschätzung dafür verpufft nach anfänglichem Schulterklopfen jedoch relativ schnell.

Den Lernaufwand halbieren

Aufgeben wollte ich dennoch nicht so schnell. Schließlich ließ sich der Wunsch zu studieren auch nach 20 Jahren nicht verdrängen. Nach dem Abitur war der Zugang zum Studium als sogenanntes „Arbeiterkind“ nicht so leicht und die Ausbildung ein sicherer Garant. Aber so konnte es nicht weitergehen.

Glücklicherweise fiel mir zu diesem Zeitpunkt das Buch die „Bestnote“ von Martin Krengel in die Hände, ein wunderbares Buch, das Lernpsychologe, Zeitratgeber und Motivationsexperte zugleich ist. Den Begriff „Lernratgeber“ vermeide ich an dieser Stelle in meinem Alter lieber – für Schüler oder jüngere Studierende wäre das aber sicher trefflich.

Dieser Ratgeber zeigt einem perfekt in 10 Schritten, wie man sein Zeitmanagement in den Griff bekommt, seine Konzentration steigert und sich absolut schnell und fokussiert auf Prüfungen und Hausarbeiten vorbereitet. Die Strategie bestimmen, das Global Picture suchen, Strukturieren und das Gedächtnis stärken – und alles unterhaltsam mit Humor und Charme erklärt.

Zudem lässt es nicht außer Acht, dass während der akademischen Hirnakrobatik auch die Wäsche und das schmutzige Geschirr unerbittlich Aufmerksamkeit einfordern. Das alles will organisiert sein – ganzheitliche Lernstrategie sozusagen.

Also viele Dinge, die andere Zeitratgeber gerne unter den Tisch fallen lassen. Und NEIN, es sind nicht nur die vielen Mails in meinem „Eingangskörbchen“, die mich ins Straucheln gebracht haben.

Gebrauchsanweisung in Häppchen

Dazu ist die „Bestnote“ sehr übersichtlich konzipiert, sodass man das Buch nicht sofort von vorne bis hinten durchlesen muss.

Man kann sich zunächst mit den Abschnitten beschäftigen, die einem individuell am dringlichsten weiterhelfen. Das ist besonders im Fernstudium von großer Bedeutung, denn eines ist klar: Die Zeit ist knapp!

Und obwohl ich Politikwissenschaften studiere, habe ich den Test „10 japanische Vokabeln in 3 Minuten lernen“ mitgemacht UND es sogar problemlos geschafft.

Zusätzlich findet man auf dem Methodenportal Studienstrategie.de des Autors stets nützliche Lerntipps & Merktechniken.

Diese Fragen und Lernprobleme konnte ich nun klären:

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Kurzum: Mir hat „Bestnote“ geholfen, Beruf & Studium mit Spaß und ohne Stress zu absolvieren. Meine letzte Prüfung habe ich mit 2 plus bestanden. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich mich auf die nächste freue.

Unter dem Zeit-Online Twitter Hashtag würde ich das Ganze so zusammenfassen: „#Lernen kann doch Spaß machen – Unterhaltsamer Arschretter für Jung & Alt – für Schule, Studium & Job #1buch1satz „

Das liebevoll und aufwendig gestaltete Buch mit vielen Beispielen und über 100 Grafiken und Tabellen und kultigen Visualisierungen kann ich wirklich aus tiefstem Herzen empfehlen – ob für sich selbst oder als klasse Geschenk!

Zu finden oder zu bestellen unter: 
Martin Krengel: „Bestnote“. Eazybookz Berlin, 256 Seiten, ISBN: 978-3-941193-666, Preis: 15,95 Euro

P.S. Der Text ist auch erschienen auf Huffington Post: Hier 

Hallo Mama – hier bin ich!

Morgen ist es wieder so weit, ich fahre für drei Tage zu meinen Eltern. Seit ich vor etwas mehr als einem Jahr nach Berlin gezogen bin, plane ich für Besuche immer einen längeren Zeitraum ein, da sich die Fahrt ins Rheinland ansonsten nicht lohnt und zudem für alle Beteiligten zu stressig wäre. Denn man muss ja bedenken, dass meine Eltern sicherlich schon eine Stunde vorher am Bahnhof sind, um mich abzuholen.

„Wann hat das Kind noch einmal gesagt, kommt es an? 13.23h oder 13.53h?“ Das Kind ist mittlerweile 42 und hat die Uhrzeit gesagt, getanzt, gesungen und buchstabiert. Mehrmals. Die Eltern sind mittlerweile gemeinsam 155 Jahre – der Vater stolze achtzig und die Mutter fünfundsiebzig.

Daher ist es nicht so besonders förderlich, wenn sie bei 33 Grad im Schatten oder Minus-Temperaturen stundenlang auf dem unbedachten Gleis 3 eines heruntergekommenen Bahnhofs herumlungern. Den Satz „BITTE holt mich nicht ab, ich komme mit dem Bus oder Taxi“ verstehen sie nicht, obwohl sie ansonsten noch recht gut hören.

Alle Tricks dies zu umgehen sind in der letzten Zeit gescheitert oder haben zu noch größerem Stress geführt. Also versuche ich die Kräfte wenigstens zu bündeln.

Nummer Fünf lebt – aber wie?

Ich habe noch vier Geschwister und von uns allen habe ich sicherlich die engste Verbindung zu meinen Eltern. Vielleicht weil ich der Nesthaken bin. Weil ich die letzte war, die zu Hause ausgezogen ist.

Oder weil ich Ihnen einfach sehr dankbar bin. Ich war die erste von uns, die aufs Gymnasium ging und das Abitur gemacht hat – als sogenanntes Arbeiterkind. Und ich habe das große Latinum – irgendwo. Jedenfalls war es schon immer so, dass ich regelmäßig nach Hause gefahren bin, egal wie stressig es gerade im Job war oder welche anderen wunderschönen sonntäglichen Alternativen es zum Schmorbraten und Apfelkuchen gegeben hätte.

Ich bin Buchhändlerin geworden und habe zwanzig Jahre in einem großen Unternehmen gearbeitet, davon viele Jahre in Führungspositionen. Für meine Eltern hat sich die Vorstellungskraft aber nie über Bücher sortieren oder verpacken ausweiten können, auch wenn ich Ihnen von meiner Arbeit erzählt habe.

Als ich einen Firmenwagen hatte und in NRW für unsere Filialen zuständig war, erweiterte sich die Vorstellungskraft zumindest zu Staus auf der A1, Geisterfahrer und Pippi-Geld. Meine Mutter sammelte tatsächlich 50-Cent-Stücke für die Serways Toiletten und später noch 20-Cent-Stücke als es eine Pippi-Preiserhöhung gab. Und so manches mal war ich ihr wirklich dankbar.

Papier ist geduldig.

Mittlerweile arbeite ich freiberuflich und studiere Politikwissenschaft & Soziologie. Ja, richtig. Für meine Mutter muss das zunächst die Hölle gewesen sein. Dass man mit Anfang vierzig noch einmal seinen Lebensweg verändert und dann auch noch freiwillig, ist in ihrer Welt nicht leicht zu verstehen.

Alle bestehenden Bilder im Kopf zu Geschenkverpackungen und Autobahnen haben sich in Luft aufgelöst. Neue Bilder konnte sie nicht wirklich entwickeln, das Kind war plötzlich im freien Fall. Und obwohl ich meine Eltern oft nach Berlin holte, konnte ich Ihnen meine neue Welt nicht wirklich näherbringen.

Auch nach Monaten sagten sie immer noch Sätze wie „Wir waren heute in Deiner Buchhandlung, das Mädchen an der Kasse war sehr freundlich“. Ich musste handeln, es fühlte sich an, als wären sie zwischen zwei Welten gefangen.

Dann kam mir die Idee mit der Visitenkarte, keine Ahnung warum ich da nicht viel eher drauf gekommen bin. Ich gab meiner Mutter ein paar meiner hübschen Kärtchen mit der Aufschrift „Weiterbildung und Beratung“, die sie mit einem juchzenden „aaaah, das ist ja toll“ entgegen nahm.

Es hätte vermutlich auch „Bienenzüchterin“ draufstehen können, egal. Endlich hatte das Kind wieder ein Gesicht und ein neues Leben. Veränderung, Mut, Leidenschaft, Tatendrang und Neugier – reduziert auf ein kleines Stückchen Papier.

Ich liebe Euch!

Eltern-Kind Beziehungen sind schon komplizierte Kisten im Leben. Es wird nicht einfacher mit den Jahren, auch wenn man das mit Achtzehn noch vermuten mag. Das gegenseitige Unverständnis wird mit der Zeit eher größer. Und letztendlich reduziert sich vielleicht immer alles auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Was hilft ist eine gesunde Lebenserfahrung und eine gute Portion Humor.

Als wir neulich beim Einkaufsbummel eine alte Bekannte meiner Mutter trafen, freute sie sich ihre Tochter aus Berlin vorstellen zu können. „Wissen Sie, von ihr habe ich Ihnen doch letztens das Kärtchen gegeben“.

Ah ja, da wusste ich, es hat funktioniert. Bei meinem Vater ist das Ganze etwas einfacher, er fragt jedesmal „Und? Was macht das Schloss?“ Ich habe extra ein aktuelles Foto geschossen, das ich ihm morgen zeigen kann. Dann können wir schneller zum Wesentlichen kommen. „Hast Du Hunger, Kind?“

Na klar – mein Leben hängt für ein paar Tage an der Garderobe. Lasst uns essen – ich liebe Euch!

 

Dieser Beitrag ist auch erschienen auf Huffington Post!

Ist der Online- Journalismus kaputt?

Tablet pc showing magazine on screen with a cup of coffee on a d

Lesen und Schreiben gehört für mich zum Leben wie das Atmen und Denken. Vielleicht bin ich deshalb auch Buchhändlerin geworden – aber vielleicht ist das auch reiner Zufall.

Und eigentlich bin ich auch ein Informations-Junkie. Und verliebt bin ich, permanent und immer wieder aufs Neue – in Journalisten und Schriftsteller, die mich mit ihren Recherchen, Weltblicken, Stories, Erzählungen, Artikeln und Dossiers immer wieder überraschen und für sich einnehmen.

Das große Problem ist allerdings, dass ich mir aus nachvollziehbaren Gründen für Denken und Atmen immer genug Zeit nehme, am Ende des Tages aber regelmäßig Lesen und Schreiben zu kurz kommen.  Viele lesenswerte Geschichten und Informationen sind übrig geblieben. Entweder als offensichtliches Mahnmal neben dem Sofa  in Form von Zeitschriften, Zeitungen, Büchern oder Fachliteratur – aber auch digital und unsichtbar in Form von Online Artikeln, Blogs, Epubs oder Links. So manches sammel ich, um es „bei Zeiten“ zu lesen, aber das meiste verstaubt in guter Absicht oder verpufft im Netz.  Weiterlesen „Ist der Online- Journalismus kaputt?“

Die Kleingärtner-Metropole der „Welt“

Tempelhof

Vergesst alles, was Ihr jemals mit Journalismus in Verbindung gebracht habt

Ich hoffe, dass ich mich mit dieser Überschrift dem Qualitätsniveau von „professionellen“ Journalisten angepasst habe. Genau genommen, dem unterirdischen Niveau von Ulf Poschardt, Stv. Chefredakteur der Welt-Gruppe.

Gleichzeitig mit der Europa Wahl wurde in Berlin auch in einem Bürgerentscheid über die Zukunft des ehemaligen Flugfeldes Tempelhof abgestimmt. Ja, hier in Berlin liegt nicht nur ein neuer Flughafen still, sondern auch ein schon seit Jahren geschlossener.

Um es vorweg zu nehmen: Die Initiative „100% Tempelhofer Feld“ hat sich mit fast 65% deutlich durchgesetzt und damit die Bebauung eines Teils dieses Feldes verhindert. Die Berliner haben sich also klar gegen die Pläne des Berliner Senats ausgesprochen. Weiterlesen „Die Kleingärtner-Metropole der „Welt““

Der Erste Weltkrieg und die Sehnsucht nach der Unschuld

Cover

 

Seit dem Bestseller von Christopher Clark „Die Schlafwandler“ können wir Deutschen den 100. Jahrestag zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs recht locker begehen. Wenn man angesichts der über 17 Millionen Opfer das Wort „locker“ überhaupt verwenden darf.

Aber in der Tat ist es so, dass der Historiker Christopher Clark, in seiner fast 1000 Seiten starken Studie, die Deutschen von Ihrer bis dato ausgemachten Verantwortung für den Großen Krieg freispricht. Von seinem Buch wurden alleine in Deutschland seit Erscheinen schon mehr als 160.000 Exemplare verkauft und  ist seitdem in den Top Ten aller Bestsellerlisten zu finden. Das zeigt, wie tief  dieses deutsche Kriegs-Trauma lange Zeit wohl schmerzte.   Weiterlesen „Der Erste Weltkrieg und die Sehnsucht nach der Unschuld“

Empörungs-Journalismus à la Frank Schirrmacher

Lieber Frank Schirrmacher,

für Ihren Artikel „Dr. Seltsam ist heute online“ in der FAZ über den neuen Echtzeitjournalismus haben Sie das Interview von Claus Kleber mit dem Siemens-Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser als Aufhänger genommen. Ehrlich gesagt grübel ich jetzt seit zwei Tagen darüber nach, was Sie uns damit eigentlich sagen wollen. Ja, Claus Kleber hat ein schlechtes Interview geführt. Punkt. Damit könnte diese Geschichte zu Ende sein. Es eignet sich sicherlich nicht als Grundsatzdebatte über den Journalismus und wird ihr damit auch nicht gerecht.  Weiterlesen „Empörungs-Journalismus à la Frank Schirrmacher“

Darf ich nicht sagen, was ich denke?

Die Georg-Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff hat am 2. März im Dresdner Schauspielhaus eine Rede unter dem Titel „Von der Machbarkeit. Die wissenschaftliche Bestimmung über Geburt und Tod“ im Rahmen der „Dresdner Reden“ gehalten. Das hat sich mittlerweile auch über Dresden hinaus herumgesprochen, leider nicht im positiven Sinne.

Der Chefdramaturg des Staatsschauspiels Robert Koall hat zeitnah mit einem Offenen Brief auf die Rede reagiert. Für diese distanzierenden und deutlichen Worte bin ich ihm sehr dankbar und ich denke, er spricht nicht nur mir damit aus der Seele.

Frau Lewitscharoff hält künstliche Befruchtung für absolut widerwärtig – und ich halte Frau Lewitscharoff ab jetzt für absolut widerwärtig. Touché!  Weiterlesen „Darf ich nicht sagen, was ich denke?“

Frohes Neues Jahr: Atmen Sie einfach weiter

Merkel

Das gerade zu Ende gegangene Jahr ist eindrucksvoll geprägt vom bis dahin unvorstellbaren Abhörwahn der Geheimdienste, enthüllt vom Whistleblower Edward Snowden. Wir haben erfahren, dass es kaum digitale Kommunikation in unserem Leben gibt, die nicht an irgendeiner Stelle des Glasfaserkabels abgesaugt wird.  Über die Politik haben wir gelernt, dass sie weder das Interesse noch die Kompetenz hat, diese millionenfachen Eingriffe in unsere persönliche Freiheit und Privatheit aufzuklären. Diplomatische Beziehungen und Partizipation an amerikanischen Spionageaktionen scheinen der Regierung wichtiger, als die Verteidigung unserer Rechte. Und viel schlimmer noch, die Abhöraktionen laufen weiter wie bisher, selbst der bewiesene Angriff auf das Handy unserer Bundeskanzlerin war kein Grund für eine Beendigung oder Aufklärung zu sorgen.  Weiterlesen „Frohes Neues Jahr: Atmen Sie einfach weiter“

Advent, Advent: Früher war mehr Lametta

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Krawehl, krawehl…

die Adventszeit bedeutet übersetzt „die Ankunft“. In diesem Jahr kommt dieser Übersetzung eine ganz besondere Bedeutung zu, denn gleich zwei wichtige Papiere sind unaufgefordert bei uns angekommen. Der Koalitionsvertrag der Großen Koalition und das Apostolische Schreiben „evangelii gaudium“ von Papst Franziskus. Die gleichzeitige Ankunft und der ähnliche Umfang sind aber auch schon die einzigen Gemeinsamkeiten. Gut, das war jetzt sicherlich auch nicht anders zu erwarten.  Weiterlesen „Advent, Advent: Früher war mehr Lametta“