Perspektivwechsel

Gestern erst fragte mich wieder jemand, wie ich das schaffe mit dem täglichen pendeln nach Düsseldorf. Und dann noch bei den Arbeitszeiten im Buchhandel. Hm, stimmt schon. Gestern Abend war ich nach der Spätschicht um zehn zuhause und heute Morgen ging um sechs schon wieder der Wecker. Und mittlerweile sitze ich schon seit einiger Zeit im Zug. Nach Lesungen oder Veranstaltungen verlängert sich der Abend nochmal um ein paar Stündchen.
Aber ehrlich gesagt stelle ich mir diese Frage gar nicht. Mein Job macht mir mega Spaß, es ist so unendlich viel zu bewegen. Jeden Tag. Kaum irgendwo musst Du analog und digital so perfekt aufgestellt sein wie im Buchhandel, um den Kundinnen und Kunden das Einkaufserlebnis zu bieten, das sie aktuell wünschen. Und kaum irgendwo musst Du darüber hinaus so extrem daran arbeiten, dass dies auch noch in Zukunft der Fall sein wird. Diese Prozesse müssen laufen, ohne dass die Leichtigkeit mit Leidenschaft Bücher zu verkaufen, verloren geht.
Manchmal muss man sich dazu auch mal ganz neu einnorden. Neues lernen, die Perspektive wechseln, bestehendes auch mal krass in Frage stellen. Das habe ich vor fünf Jahren gemacht. Und im Nachhinein war das mein größtes Glück. Und auch mein größter Luxus.
Wenn ich also heute gefragt werde, wie ich das schaffe mit dem pendeln und der Arbeit, dann freue ich mich einfach, dass ich das NULL als Anstrengung sehe. Es ist einfach eine Frage der Perspektive.
Dieser Herr auf dem Foto spielte sich heute Morgen um halb acht schon in der Unterführung meines Provinzbahnhofs die Seele aus dem Leib, wie man so schön sagt. Als ich ihm Kleingeld in den Hut warf und einen schönen Tag wünschte, strahlte er übers ganze Gesicht, erwiederte die Wünsche und spielte noch freudiger weiter. Das sind meine Helden des Lebens. Ob ihn auch jemand fragt, wie er das schafft?
Allen einen wunderbaren, sonnigen und leidenschaftlichen Tag!

Buchladen der Zukunft: Begegnungsstätte und digitaler Trendsetter

Postits

Auch in einer digitalisierten Welt von Morgen steht der Mensch im Mittelpunkt. Wohl noch mehr als heute.

In einer Zukunft, in der immer mehr digitalisiert wird, Maschinen und Roboter viele unserer Tätigkeiten übernehmen und wir mit Computerstimmen kommunizieren, werden Menschen sich noch mehr nach analogen Orten sehnen, an denen sie sich wohlfühlen können und als Individuum wahrgenommen werden – ein Ort der Begegnung.

Die moderne und kreative Buchhandlung der Zukunft ist technisch auf dem neusten Stand, um sämtliche digitalen und analogen Serviceleistungen anzubieten, die unsere Kundinnen und Kunden wünschen und die ihr Leben bequemer machen. Es gibt kein Endprodukt mehr, sondern alles bleibt in Bewegung. Flexibel & sportlich. Analog wie digital. Wie sieht das aus?

Coworking-Area

Mitten in unserer Buchhandlung gibt es Arbeitsplätze. Dort in der Coworking-Area können Menschen digital arbeiten, sich austauschen, netzwerken und vielleicht sogar Bücher schreiben. Dort finden Workshops statt zu Trendthemen und Kinder können die Sprache der Zukunft lernen: Programmieren.

Lehrerinnen und Lehrer können sich in Schulungen mit dem Einplatinencomputer „Calliope mini“ vertraut machen, der zukünftig in allen Grundschulen eingesetzt werden wird, um Schülerinnen und Schülern das Coden beizubringen. Abends oder am Wochenende finden auch mal Buch-Hackathons statt.

Espresso Book Machine

Eine Espresso Book Machine (Print-on Demand-Drucker), die in 5 Minuten aus PDF Dateien Bücher druckt, gehört zur Ausstattung der Zukunftsbuchhandlung. Dort können Kundinnen und Kunden sich die Bücher ausdrucken lassen, die nicht vorrätig sind. In der Zwischenzeit trinken sie einfach einen Kaffee oder Espresso im Café – der schnellste Weg der Buchbestellung, bei dem nicht einmal Amazon mithalten kann. Bäm!

Wer doch ein Buch bestellen möchte und sich dies nicht nach Hause liefen lassen will, der kann das Buch zu jeder Zeit am Buch-Abholautomaten abholen.

E-Book-Reader Bar

Noch schneller geht es nur an unserer E-Book-Reader Bar. Dort kann sich jeder seine E-Books sofort kaufen und gleich in seine Tolino Cloud hochladen. Die Rechnung wird automatisch aufs Smartphone gesendet, entweder wird per Kreditkarte abgerechnet oder über die Blockchain-Technologie in Kryptowährung bezahlt, oder aber bei dem Kollegen, der Kollegin, mit dem Tablet. (Tablet? Spoiler!). Wer es altmodisch mag, lässt einfach den Rechnungs-Barcode an der Kasse scannen und bezahlt womit er gerne möchte.

Mittelpunkt Mensch

Die Buchhändlerinnen und Buchhändler sind ausgestattet mit Tablet oder Smartphone und beraten, recherchieren, bestellen oder kassieren dort, wo der Kunde ist. Am Regal, an der EBook-Bar oder im Café. Feste Info-PC Stationen gibt es keine mehr.

Analoges und digitales Sortiment

Analog oder digital ist für uns keine wichtige Unterscheidung mehr. In der Zukunftsbuchhandlung gibt es zwar weniger gedruckte Bücher als heute, schließlich lassen sich alle Bücher jederzeit nach Wunsch ausdrucken, Kunden können sich aber alle kuratierten Bücher zu allen Themen in der App oder an unseren Kunden-Monitoren digital anschauen.

Die Buchhändlerinnen und Buchhändler sind mit den digitalen Sortimenten und Themen-Tischen genauso vertraut wie mit den analogen. Die buchhändlerische Kompetenz zeigt sich nicht nur in der emotionalen, analogen Gestaltung der Sortimente, sondern darüber hinaus auch in der fein kuratierten digitalen Premium-Buchhandlung, die alle wichtigen Bücher und schönsten Dinge beinhaltet.

Wir sind immer dort, wo unsere Kunden sind. Vor Ort oder im Netz.

Lesen macht einfühlsamer

Bronte

Bücher zu lesen macht uns einfühlsamer und zugewandter, wie Forscher der Kingston University London kürzlich in einer Untersuchung herausgefunden haben. Wer regelmäßig liest, kann Themen besser aus verschiedenen Blickwinkeln und mit deutlich mehr Empathie betrachten. Empathie wiederum ist ein wichtiger Erfolgsfaktor sowohl im Umgang mit dem eigenen Team wie auch mit Kunden, auch bei der Weiterentwicklung von Dienstleistungen und Produkten.

Lesen kann also durchaus zum Unternehmenserfolg beitragen, wenn man dieses Ergebnis weiterspinnt, was ich als Buchhändlerin natürlich sehr gerne tue.

Was sollten Sie aber beachten für den größtmöglichen Lese-Erfolg?

Erstens: Greifen Sie nicht automatisch zu einem Fachbuch, auch wenn die Blockchain, Künstliche Intelligenz, Smart Home oder Plattform-Ökonomie bestimmt spannend sind für Ihren Job oder Ihr Unternehmen. Nehmen Sie sich lieber die modernen Visionäre zum Vorbild: Tesla-Chef Elon Musk beispielsweise zählt sich selbst zu den Viellesern und fühlt sich besonders von Tolkiens «Herr der Ringe» inspiriert. Und Microsoft-Gründer Bill Gates veröffentlicht sogar regelmäßig eine Leseliste auf seinem Blog; darauf finden sich immer auch Romane — dieses Genre soll übrigens einen besonders positiven Effekt auf unser Sozialverhalten haben.

Zweitens: Wer den ganzen Tag aufs Smartphone oder einen Bildschirm starrt, darf in seiner Freizeit auch mal «old school» ein Buch aus Papier in die Hand nehmen. «Wir erinnern uns an den Inhalt eines gedruckten Buches leichter als an den eines digitalen», sagt der Leseforscher Adriaan van der Weel vom Forschernetzwerk E-Reads, das sich mit den Auswirkungen des digitalen Lesens auf Mensch und Gesellschaft befasst. Vielleicht liegt darin auch einer der Gründe, warum der E-Book-Markt in der Schweiz und in Deutschland nicht wirklich in Fahrt kommen mag. (Und ja: E-Books sind auch einfach zu teuer.) Aber selbst in den USA erlebt der stationäre Buchhandel gerade wieder einen Aufwind, selbst Amazon eröffnet bekanntlich mittlerweile auch eigene Läden.

Das Buch ist tot, es lebe das Buch.

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke sind auch in diesem Jahr Bücher. Das ist nicht nur eine beruhigende Nachricht für die Buchbranche, die ein Viertel ihres Jahresumsatzes im Weihnachtsgeschäft generiert, sondern es könnte auch Inspiration sein, sich selbst oder lieben Menschen mal wieder ein schönes Buch zu schenken  —  daher hier als empathische Anregung meine drei Pflichtlektüre-Lieblings-Buchtipps der Saison:

«Ein wenig Leben» von Hanya Yanagihara 
(Mayersche)

958 Seiten voller Wucht über menschliche Abgründe, lebenslange Freundschaft und wahre Liebe. Gehört für mich zu den Büchern, die man einfach gelesen haben muss, weil es einzigartig ist und jede einzelne Seite die vier College-Freunde und ihre Geschichten unfassbar lebendig werden lässt.

«Die Geschichte der Bienen» von Maja Lunde
(Mayersche)

Das prekäre Verhältnis von Mensch und Natur hat Maja Lunde bewegt, dieses Buch zu schreiben. Im Mittelpunkt stehen aber drei packende Geschichten von Menschen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die kunstvoll miteinander verwoben werden. Ein unvergleichliches, irre gutes Buch, keine einzige Minute dieser ergreifenden Lektüre ist verschwendet. Versprochen!

«Kraft» von Jonas Lüscher
(Mayersche)

Erst kürzlich wurde Jonas Lüscher für «Kraft» mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Sein Romanheld Richard Kraft, ein Rhetorikprofessor in Tübingen, zieht ins Silicon Valley, um seiner finanziellen und persönlichen Misere zu entfliehen. Durch Kalifornien irrend wird er aber mehr mit Vergangenheit und Zukunft konfrontiert, als ihm lieb ist. Ein genialer, moderner Gesellschaftsroman, der einfach Spaß macht.

Ich wünsche allen schöne & besinnliche Weihnachten!

„WE LOVE CODE! DAS KLEINE 101 DES PROGRAMMIERENS“

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Ein tolles Buch von Julia Hoffmann und Natalie Sontopski. Eine unterhaltsame Einführung in die digitale Welt – was ist Programmieren (Code is all around us) und welche Programmiersprache passt zu mir? Ein bisschen verliebt habe ich mich spontan in Ruby on Rails! ❤ Auch speziell für Girls @ Rails Girls

Und obwohl ich schon mit PHP angefangen habe, werde ich die Sprache mit dem coolen Logo auch unbedingt lernen. Ihr merkt schon, was das Buch besonders kann, ist Begeisterung und Neugier wecken. Und diese Leichtigkeit zu befördern, die sagt: Hey, why not?

Dazu erfährt man noch jede Menge über tolle Frauen, die bei der Entwicklung von Algorithmen, Computer und Programmierung entscheidende Rollen gespielt haben, wie beispielsweise Ada Lovelace, Hedy Lamarr oder Grace Hopper (Amazing Grace).

Und die Power der beiden Autorinnen und Gründerinnen von Code Girls steckt sowieso an. Und ein wenig Geek Speek lässt sich auch noch by the way lernen.
Wer eh schon Bock hatte mal Coden zu lernen, aber sich auch irgendwie nicht traute und/oder wenig Zeit hat, wird nach der Lektüre sehr wahrscheinlich damit anfangen. (Also Vorsicht! 😉)
Wer bis jetzt noch keinen Gedanken daran verschwendet hat, wird trotzdem jede Menge Spaß haben und auf keinen Fall dümmer… (und eventuell zumindest schon mal „Ruby“ googeln 

 

Adieu Buchhandel – ein paar Jahre her

Heute Morgen sind mir beim Suchen einer Unterlage meine Worte zum Abschied aus dem Buchhandel (nach 19 Jahren) an die Kolleginnen und Kollegen in die Hände gefallen. Wow, schon drei Jahre her. Und nicht nur die Arbeit gewechselt, sondern auch das Bundesland, den Fluss, den Dom, das Bier.

Und mittlerweile schreibe ich gerade meine Bachelor-Arbeit. Wie die Zeit vergeht. Was einem solche „alten“ Worte aus einer irgendwie schon fremden und fernen Welt wieder verdeutlichen: Das war schon eine geile Zeit. Und Buchhandlungen sind ganz wunderbare Orte.  

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am 15. November habe ich nun meinen letzten Arbeitstag bei der M. Daher möchte ich mich auf diesem Wege gerne von Euch/Ihnen allen mit mindestens zwei weinenden Augen verabschieden.

In den letzten 19 Jahren habe ich mit vielen von Ihnen zusammenarbeiten dürfen, wir haben gemeinsam einiges erlebt und viel erreicht. Wir haben leidenschaftlich Bücher inszeniert und verkauft, genauso leidenschaftlich neue Sortimente ins Herz geschlossen, Kunden beraten, auf Kinder aufgepasst, um Umsätze gekämpft, Budgets errechnet, Veranstaltungen zelebriert – die klassische Lesung genauso wie die atemberaubende Stunksitzung in Köln.

Mein persönliches Highlight in diesem Zusammenhang ist sicherlich die bis dato geheime Begebenheit, dass ich Alice Schwarzer bei meiner ersten Abendveranstaltung unwissentlich ein Phallus-Symbol auf die Bühne stellte (in Form eines Mikrofonständers) und das schnell herbeigeschaffte Ansteck-Funkmikrofon den ganzen Abend fürchterlich knisterte, pfiff und rückkoppelte. Dieses Ereignis war für Alice ein so schrecklicher Moment, dass sie alle weiteren Treffen bei Lesungen mit ihr (und das waren sehr viele), mit den Worten begann: „Ach, hier hatte ich doch neulich ein so unsägliches Erlebnis bei einer Lesung mit der Technik“ und ich jedesmal mutig erwiderte „Ja, das war ich und können wir nicht endlich Gras über die Sache wachsen lassen?“ Daraufhin hat sie meist gelacht und beteuert, dass es gar nicht so schlimm war, um die Geschichte dann aber später auf der Bühne vor meistens ausverkauftem Haus dann doch brühwarm zu erzählen. Einmal habe ich ihr sogar aus lauter Verzweiflung überteuerte „No Porno“-Aufkleber abgekauft, in der Hoffnung mich damit freizukaufen – aber vergeblich.

Mein ganzes bisheriges Arbeitsleben habe ich in diesem Buchhandelsunternehmen verbracht, aber gelangweilt habe ich mich nie – ganz im Gegenteil. In dieser Zeit habe ich immer wieder Neues kennen gelernt, jeder Trend war immer zuerst bei uns spürbar. Vor Google Zeiten bedeutete dies, dass Freunde und Familie bei vagen Trendneuheiten immer erst mich als Buchhändlerin fragten, ob ich von diesem oder jenem schon gehört habe und wüsste was das ist. Und meistens wusste ich… Wenn man so will, waren wir im Buchhandel die erste analoge Suchmaschine, nahezu systemrelevant, wie man heute zu sagen pflegt.      

Selbst in den letzten Jahren bei M Business habe ich noch einmal eine absolut neue Seite des Buchhandels kennen lernen dürfen. Portokosten, Botenkosten, Versandkosten, Infobrief, Infopost, Mailings, E-Modul, E-Only, Procurement, elektronische Rechnung, Ausschreibung, Angebot, Nachfrage, Konsolidierung, Verteiler, direkt, nicht direkt und besonders: schnell, schneller, am schnellsten.

Und meine kaufmännische Abteilung mag mir mein anfängliches Unverständnis gegenüber mehr als zwei Zahlen hinter dem Komma verzeihen. JA – mittlerweile weiß ich, auch diese Zahlen haben nicht nur ihre Berechtigung, sondern sind absolut bedeutend. Mein unbedarftes Aufrunden hat durchaus an der ein oder anderen Stelle für Verwirrung gesorgt. Dabei kann eine Abweichung von 0,001 so manches Kundensystem sprengen.

Ich erinnere mich noch genau, als ich 1996 meine Ausbildung in unserem Rheydter Geschäft in der Stresemannstraße beendete und dort als Jungbuchhändlerin weiterarbeitete, lehnte ich nach einem Schließdienst abends alleine an einem unserer Regale und träumte, wenn ich mal alt bin (und damit meinte ich damals sicher kurz vor der Rente), dann möchte ich genau diese Buchhandlung leiten. Nun, in den folgenden Jahren kam alles ganz anders. Aber vielleicht ist es dennoch ein Hauch von Schicksal, dass ich genau in dem Monat die M verlasse, in dem auch meine Ausbildungsfiliale den Standort wechselt und genau wie ich umzieht. (wenn auch nicht ganz so weit weg) Wir sind halt beide in die Jahre gekommen…       

Viele von Ihnen haben mir in den letzten Wochen sehr liebe Abschiedsgrüße übermittelt. In einem hieß es, dass sich der Aushang der Personalabteilung im Intranet so liest, als würde ich ansatzlos in den Deutschen Bundestag einziehen, was zwar schade für das Unternehmen ist, aber gut für unser Land! (Uuuuuhhhhhh Baracuda….). Das kann ich zwar nicht versprechen, denn  zunächst muss ich mich mal etwas intensiver mit meinem Studium beschäftigen, aber diese Zeilen haben mir nochmal eines bewusst gemacht: Die Zeit in der M hat mir unglaublichen Spaß gemacht, was unbedingt auch an dem so großartigen Humor meiner Kolleginnen und Kollegen gelegen hat.

Ich wünsche Ihnen bei allen Herausforderungen der kommenden Jahre mindestens genauso viel Spaß, um mit Leidenschaft und Neugierde die Zukunft zu gestalten.

Herzlichen Dank und alles Gute!

„Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“

Stoppt die Welt, ich will aussteigen!

Es ist nun fast drei Jahre her, als ich entschieden habe, mein Leben grundlegend zu ändern. Wobei: eine richtige Entscheidung ist es eigentlich erst in der Rückschau. Damals war es eher eine Vollbremsung mit gezogener Handbremse und ein Erwachen aus einem Geschwindigkeitsrausch.

Kurz nach meinem vierzigsten Geburtstag, auch das noch.

Vor lauter „Jagen nach fremden Zielen“ blieben nämlich die eigenen Ziele auf der Strecke – und damit das selbstbestimmte Leben.

Habe ich eben noch komplexe Strategien entwickelt und ein großes Team durch den Tag gemanagt, bin ich abends bei einem freundlich gemeinten „Wie geht`s?“ leicht in einen Weinkrampf verfallen. Einfach so. Die Work-Life-Balance war gründlich im Arsch, was man vor lauter „Work“ und wenig „Life“ aber leider selbst als letztes mitbekommt. Vielleicht ist es auch schon ein großer Vorteil, wenn man es denn überhaupt irgendwann begreift.

Im Zeitraffer bedeutete dies für mich: anhalten, innehalten, loslassen. Job kündigen und neu anfangen. Nach zwanzig Jahren. Mitten im Leben. Bei einem duften Gehalt. Puh.

Arschtritt inklusive

Ich arbeite auch heute viel, weil es mir Spaß macht.  Dazu habe ich ein Studium begonnen, weil es mein Lebenstraum ist. Und das alles in meiner neuen Wahlheimat Berlin. Aber zwischendrin gibt es mittlerweile immer Gelegenheiten dem Alltag zu entfliehen – die Welt um mich herum in ihrer Schönheit wahrzunehmen und auch einfach mal nichts zu tun. Auf die Frage „Wie geht es?“ kann ich heute in einen Redeschwall geraten.

Um nicht wieder in alte hamsterradähnliche Muster zu verfallen, benötige ich allerdings auch von Zeit zu Zeit einen kleinen, aufmunternden, aber deutlichen Tritt in den Allerwertesten. Have a break. Have time.

Als Buchhändlerin finde ich diese Auszeiten oft in klugen, packenden und unterhaltsamen Büchern. Manchmal sogar in einem Reisebuch wie beispielsweise  „Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ von Martin Krengel. Auf den ersten Blick ist es ein Buch über eine spannende Weltreise in entlegene und skurrile Orte wie Tonga oder Galapagos. Oder in pulsierende Metropolen in Rio und Australien.

Auf dem zweiten Blick ist es aber auch ein Buch übers „frei sein“, übers „Leben leben“ und „sich trauen“. Der Autor ist eigentlich Zeitmanagement-Experte und hatte sich die Weltreise als sein persönliches (Traum)-Ziel gesetzt, sobald er seine Doktorarbeit in der Tasche hat. Doch als es soweit war, hat er es selbst kaum geschafft, die Stop-Taste zu drücken. Es lief doch gerade alles so toll: Erfolg, Job & Anerkennung.

Der Weg

Bewege Dich, wenn Dich im Inneren etwas bewegt!

Hätte ich mich dennoch auf den Weg gemacht? Vermutlich nicht. Martin Krengel dagegen hat es durch seinen beruflichen Background dann doch noch zum Backpacker geschafft, indem er einfach in kleinen Schritten – aber zügig – seine heimatliche Komfortzone ungemütlicher gemacht hat. Er hat das Auto verkauft, seine Familie und Freunde informiert und die Wohnung untervermietet. Ein Rückzieher wäre recht ungemütlich geworden und ein Gesichtsverlust unvermeidbar.

Und mit den Fidschi-Inseln hat er für sich ein traumhaftes erstes Reiseziel gewählt. Wer weiß, was passiert wäre, wenn er zuerst nach Tonga gereist wäre, worüber er schreibt: „Tonga. Gestrandet im Nirgendwo. Wenn die Welt ein Ende hat, so ist hier der Anfang.“

So sind die Geschichten der Weltreise ein Wechsel zwischen Paradies, Hölle und Einöde, mit Höhen und Tiefen und einigen Wechselbädern der Gefühle. Und man darf teilhaben an sehr persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen. 

Wie fühlt es sich beispielsweise an …

als Auswanderer in Australien zu leben, als Stand-Up Comedian in New York zu arbeiten, von einem hinterhältigen Frosch attackiert zu werden, bei minus 17 Grad in der mongolischen Jurte zu schlafen, Höhenangst durch einen Sprung aus 4.500 Metern Höhe zu kurieren, 30 Meter unter der Wasseroberfläche 15 Hammerhaie zu füttern, tagelang in einem wütenden Zyklon zu stecken und an entlegenste Orte zu reisen, die nicht bei Google Maps zu finden sind?

Die Kunst des Reisens ist nicht das Planen, sondern das Tun.

Wenn man nun die „Kunst des Reisens“ durch die „Kunst des Lebens“ ersetzt, dann wird relativ schnell deutlich, dass beides sehr eng miteinander verbunden ist. Und so lässt sich das Buch wunderbar aus verschiedenen Perspektiven lesen.

Zum einen natürlich aus der Perspektive des Reisens, aber besonders auch aus der Perspektive des Lebens: Loslassen, eigene Ziele setzen, Sicherheiten auch mal über Bord werfen und den Kompass des eigenen Lebens neu einstellen. Denn auch so lassen sich – eingebettet in einem spannenden Reisebericht – ziemlich beeindruckende Parallelen zum eigenen Lebensweg entdecken.

Man kann entweder immer auf dem gleichen, vermeintlich sicheren Weg bleiben oder auch mal ausscheren und sich Neues trauen. Gewohnheiten, Pflichtgefühle und das Älterwerden machen es aber oftmals schwer die eingestampften und vielleicht auch verhassten Pfade zu verlassen. Manchmal reicht schon „Träumen von einem besseren oder anderen Leben“. Aber manchmal muss man sich auch selbst auf den Weg machen, um das Paradies zu entdecken.

Fazit: Mach doch!

„Stoppt die Welt, ich will aussteigen!“ ist ein Mutmacher-Buch für alle, die selbst die Welt bereisen möchten oder bis jetzt auch nur davon träumen. Geschichten für Menschen, die ihr Leben nach ihren eigenen Zielen gestalten wollen. Und ein Ratgeber für Digitale Nomaden.

Kein Reiseführer, sondern ein Kompass! Eine ziemlich gute Gebrauchsanleitung für´s Loslassen und Machen.

Der Autor beschreibt, dass er in jedem Land eine Lektion gelernt hat. Und als Leser kann man für sich aus jeder der einzigartigen Geschichten etwas für sich herausziehen und an den Krengelschen Lerneffekten teilhaben.

Warnung

Die Warnung auf dem Buchdeckel könnte man wörtlich nehmen:

„Wenn Du Deine Couch liebst,

öffne nicht dieses Buch!“

Wenn Du Dein Leben liebst, dann öffne es, kam mir sogleich in den Sinn.

Dr. Martin Krengel
Stoppt die Welt, ich will aussteigen!
Kuriose Abenteuer einer Weltreise. (Arschtritt inklusive.)
Eazybookz Travel, 360 Seiten mit 460 Bildern, ISBN: 978-3-941193-22-2

Preis €19,99

Der Beitrag ist auch erschienen auf HuffPost.

Welttag des Buches

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Update – Update – Update -Update – Update-Update

Das Los hat entschieden. Gewonnen hat Mika93, eine persönliche Mail geht gleich noch raus. Herzlichen Glückwunsch!!!!!

Allen anderen lieben Dank fürs Mitmachen, vielleicht bis zum nächsten Welttag 🙂

Herzliche Grüße Anja 

Die  Aktion “Blogger schenken Lesefreude”  ist eine tolle Idee zum Welttag des Buches, um dem Buch eine große Bühne zu bieten und Lesefreude zu verbreiten. Daher bin ich auch in diesem Jahr wieder dabei. 

Bei den letzten  beiden Aktionen habe ich das und das und das verlost, die Gewinner haben sich über die Bücher ziemlich gefreut und ich mich darüber, andere Menschen mit meinen Buchempfehlungen in Verbindung zu bringen. #Buchhändler-Gen!

Bücher sind allerdings für mich weitaus mehr als  Lesestoff, Unterhaltung oder Konsumgut. Bücher verbinden Menschen, vermitteln Wissen und können ihren LeserInnen ganz neue Welten öffnen. Allerdings ist es meistens so: da wo sich für die einen etwas öffnet, bleibt für andere etwas verschlossen. Soziale Ungleichheit bewirkt beispielsweise, dass manche Menschen nie mit Büchern in Verbindung kommen, sei es mangels kulturellem oder monetärem Kapital.

Aus diesem Grund wird mein Gewinnspiel in diesem Jahr etwas anders ablaufen. Ihr könnt in meinem Blog ein Buch für eine Person Eurer Wahl gewinnen, die sonst wenig Möglichkeit hat zu lesen,  und auf diese Weise als Botschafter für Lesefreude agieren.

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Ich verlose das Buch „Tschick“ von Wolfgang Herrndorf. Es ist eines der großartigsten Bücher, das ich kenne. Es ist ein rasantes Roadmovie (mit einem geklauten Lada) durch unbekannte deutsche Straßen, aber auch durch unbekannte Leben, die sich mit Charme, Humor und aller Wucht  ihren Weg in unsere Welt bahnen.

Da sind zwei Jungs, zwei Außenseiter. Maik Klingenberg, dessen Villen-Idyll langsam in sich zusammenfällt. Und Andrej, genannt Tschick, der russische Immigrant aus Berlin-Hellersdorf, der bei aller Abgeklärtheit Träume hat, wie andere Kinder auch.

Da sind zwei Mädchen, eine Schul- und eine „Müllberg“-Romanze. Und ganz viele unglaubliche Geschichten am Wegesrand. Und da ist der Autor Wolfgang Herrndorf, der leider viel zu früh gestorben ist.

Ich habe dieses Buch ausgewählt, da es vom Thema her zu dieser Verlosung sehr gut passt, aber auch weil es von Jungs oder Mädchen und Jung & Alt gleichermaßen gelesen werden kann, mag uns muss.

Schreibt mir also einfach bis Montag in die Kommentare, an wen aus Eurer Umgebung, Nachbarschaft, Schule, Arbeitsplatz, Straße, Heim oder Verein Ihr „Tschick“ gerne verschenken möchtet. (Keine Klarnamen natürlich, eine Beschreibung reicht).

Aus allen Kommentaren werde ich einen Gewinner für einen Gewinner auslosen und hier in meinem Blog verkünden. Die Verlosung endet am Montag, den 27. April um 18.00 Uhr.

Ich wünsche Euch allen viel Spaß und einen schönen Welttag des Buches!

P.S. Diese Aktion beruht natürlich auf Vertrauen, deshalb würde ich mich sehr freuen, wenn das eigentliche Ziel erreicht wird.

Liebe Grüße Anja

Getwittert wird über @BlogdenWelttag  übrigens unter #Lesefreude  

#Lernen kann doch Spaß machen – Unterhaltsamer Arschretter für Jung & Alt – für Schule, Studium & Job #1buch1satz

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Lebenslanges Lernen – Wow!

Mitten im Berufsleben habe ich noch einmal mit einem Studium begonnen, an einer Fernuniversität und neben einem anspruchsvollen Vollzeitjob.

Mit reichlich Erfahrung und größter Eigenmotivation sollte das doch zu schaffen sein. Schließlich habe ich zahlreiche Zeitmanagement-Seminare im Laufe meiner Karriere besuchen dürfen und das ein oder andere Buch hatte ich als Buchhändlerin dazu ja auch schon gelesen. Oder zumindest in den Händen.

  • Unter Zeitdruck arbeiten? Kein Problem!
  • Organisation? Kinderteller!
  • Selbstmotivation? Gelernt ist gelernt!

Von der nötigen Lebenserfahrung – mit 40! – ganz zu schweigen.

Um den Spannungsbogen nicht unnötig zu überziehen – trotz sehr gutem Rüstzeug war ich nach nicht einmal einem Jahr absolut überfordert. Konzentrationsprobleme, Lernblockade, chronischer Zeitmangel, sozial isoliert und dunkle Augenringe, um nur ein paar der hässlichen Nebenwirkungen zu nennen.

Man bringt sehr viel Energie und Motivation für Job, Studium und Familie auf – die Wertschätzung dafür verpufft nach anfänglichem Schulterklopfen jedoch relativ schnell.

Den Lernaufwand halbieren

Aufgeben wollte ich dennoch nicht so schnell. Schließlich ließ sich der Wunsch zu studieren auch nach 20 Jahren nicht verdrängen. Nach dem Abitur war der Zugang zum Studium als sogenanntes „Arbeiterkind“ nicht so leicht und die Ausbildung ein sicherer Garant. Aber so konnte es nicht weitergehen.

Glücklicherweise fiel mir zu diesem Zeitpunkt das Buch die „Bestnote“ von Martin Krengel in die Hände, ein wunderbares Buch, das Lernpsychologe, Zeitratgeber und Motivationsexperte zugleich ist. Den Begriff „Lernratgeber“ vermeide ich an dieser Stelle in meinem Alter lieber – für Schüler oder jüngere Studierende wäre das aber sicher trefflich.

Dieser Ratgeber zeigt einem perfekt in 10 Schritten, wie man sein Zeitmanagement in den Griff bekommt, seine Konzentration steigert und sich absolut schnell und fokussiert auf Prüfungen und Hausarbeiten vorbereitet. Die Strategie bestimmen, das Global Picture suchen, Strukturieren und das Gedächtnis stärken – und alles unterhaltsam mit Humor und Charme erklärt.

Zudem lässt es nicht außer Acht, dass während der akademischen Hirnakrobatik auch die Wäsche und das schmutzige Geschirr unerbittlich Aufmerksamkeit einfordern. Das alles will organisiert sein – ganzheitliche Lernstrategie sozusagen.

Also viele Dinge, die andere Zeitratgeber gerne unter den Tisch fallen lassen. Und NEIN, es sind nicht nur die vielen Mails in meinem „Eingangskörbchen“, die mich ins Straucheln gebracht haben.

Gebrauchsanweisung in Häppchen

Dazu ist die „Bestnote“ sehr übersichtlich konzipiert, sodass man das Buch nicht sofort von vorne bis hinten durchlesen muss.

Man kann sich zunächst mit den Abschnitten beschäftigen, die einem individuell am dringlichsten weiterhelfen. Das ist besonders im Fernstudium von großer Bedeutung, denn eines ist klar: Die Zeit ist knapp!

Und obwohl ich Politikwissenschaften studiere, habe ich den Test „10 japanische Vokabeln in 3 Minuten lernen“ mitgemacht UND es sogar problemlos geschafft.

Zusätzlich findet man auf dem Methodenportal Studienstrategie.de des Autors stets nützliche Lerntipps & Merktechniken.

Diese Fragen und Lernprobleme konnte ich nun klären:

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Kurzum: Mir hat „Bestnote“ geholfen, Beruf & Studium mit Spaß und ohne Stress zu absolvieren. Meine letzte Prüfung habe ich mit 2 plus bestanden. Und ich hätte niemals gedacht, dass ich mich auf die nächste freue.

Unter dem Zeit-Online Twitter Hashtag würde ich das Ganze so zusammenfassen: „#Lernen kann doch Spaß machen – Unterhaltsamer Arschretter für Jung & Alt – für Schule, Studium & Job #1buch1satz „

Das liebevoll und aufwendig gestaltete Buch mit vielen Beispielen und über 100 Grafiken und Tabellen und kultigen Visualisierungen kann ich wirklich aus tiefstem Herzen empfehlen – ob für sich selbst oder als klasse Geschenk!

Zu finden oder zu bestellen unter: 
Martin Krengel: „Bestnote“. Eazybookz Berlin, 256 Seiten, ISBN: 978-3-941193-666, Preis: 15,95 Euro

P.S. Der Text ist auch erschienen auf Huffington Post: Hier 

Akif Pirincci und die gemeinen Buchstaben.

Screenshot 2014-11-19 11.37.03In meiner Buchhandelslaufbahn habe ich so einige hundert Autoren-Veranstaltungen ausgerichtet. An viele kann ich mich heute noch erinnern, weil sie so unglaublich schön und inspirierend waren. Oder lustig. Oder weil wir anschließend alle gemeinsam im Brauhaus versackt sind. Und klar, an manche erinnere ich mich auch noch, weil sie mich etwas enttäuscht haben. Oder weil schreckliche Dinge passiert sind, wie ein Herzinfarkt im Publikum, ein ausgelöster Feueralarm oder das nicht erwünschte Phallus-Symbol auf der Bühne bei Alice Schwarzer.

An die Lesung mit Akif Pirincci, vor sicherlich mehr als 10 Jahren, erinnere ich mich auch noch sehr genau. Aber nicht, weil sie so gut war, sondern weil ich das erste Mal in meinem Leben verstanden habe, was es bedeutet, sich abgrundtief fremd zu schämen. Akif Pirincci saß auf der Bühne  und hat vorgelesen wie ein Erstklässler. Kurz, es war GRAUENHAFT. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie so etwas möglich ist. Da schreibt jemand ein Buch (über Katzen) und versucht bei der Lesung die einzelnen Buchstaben mühevoll zu einem Wort zusammen zu setzen. Und so hörte es sich auch an. Ich musste mich teilweise in die hinterste Ecke unserer Buchhandlung verkriechen und mir die Ohren zuhalten, da die Lesung körperliche Schmerzen verursachte. Aber schlussendlich haben es die zahlreichen Besucher und ich stoisch ertragen. Ich glaube, weil einem solche Menschen leid tun. Aus lauter Menschlichkeit und Toleranz „erträgt“ man diese Momente und hat sogar noch ein gutes Gefühl dabei. Denn man möchte ja jemanden nicht verletzen, nur weil er etwas gerade mal nicht so toll kann – gut, wenn es ausgerechnet ein Autor ist, der nicht vorlesen kann, bedarf es schon einiger Selbstdisziplin.

Nun gibt es ja diesen Spruch: „Hätte, hätte, Fahrradkette.“ – Also, um diesen Satz auch noch einmal zu quälen…hätte ich damals gewusst, dass  Akif Pirincci heutzutage in dieser Weise gegen Frauen, Homosexuelle, Ausländer und andere Minderheiten hetzt, ich hätte ihm sicherlich damals ein paar ordentliche Worte gegeigt zu seiner miserablen Vorstellung. Ein kleines Lehrstück in Sachen Ausgrenzung wäre möglicherweise aus heutiger Sicht ganz hilfreich gewesen. So muss ich mich nun alleine ärgern, über seine Hassschriften und Kommentare. Und wenn ich, wie heute Morgen, ein unerträgliches Interview mit ihm im Radio höre (das ich zunächst für Satire halte), dann bin ich geneigt, mir einfach wieder die Ohren zu zuhalten. Aber dann fällt mir glücklicherweise ein, im Gegensatz zu damals kann ich  ja heute wenigstens einfach abschalten!

Ich will so bleiben wie ich bin – Amazon.

Delivery drone

Ich habe mal in meinem Blog herumgekramt und festgestellt, dass ein Beitrag von mir  „Amazon – ausgeloggt“ auch nach über einem Jahr noch erschreckend aktuell ist. Durch die momentanen Konditionsverhandlungen (oder Erpressungen) von Amazon gegenüber den Verlagen bekommen wir einen kleinen Vorgeschmack, wie es sein könnte, in einer monopolisierten Gesellschaft zu leben. Und dabei werden wir augenblicklich noch nicht einmal von Amazons Drohnen abgeschossen. Wie das sein wird, wenn die fehlgesteuerte Drohne mit unserem wichtigen Vampir Roman an Bord, den wir unbedingt in Sekunden geliefert haben müssen, erst einmal „aus Versehen“ in unserem gehüteten analogen Billy Regal gelandet ist, werden wir schon in ein paar Jahren wissen. Oder wenn für unsere Buchbestellungen bei Amazon gar keine Lieferanschrift mehr nötig sein wird, da unsere Mobilfunkdaten als „Zielvorgabe“ völlig ausreichen. (Hach, ist das toll!) Dann freuen wir uns, wenn uns beim ersten Date mit der neuen Flamme eine Liefer-Drohne mit „Kamasutra für Anfänger“ auf den Kopf fällt – und wir dann bis an unser Lebensende rätseln dürfen, ob unser Date geflohen ist, weil wir leider erst grüne Kamasutra Anfänger sind oder weil wir uns überhaupt mit solch einem Kram beschäftigen. Weiterlesen „Ich will so bleiben wie ich bin – Amazon.“