Kreative Pause

Wenn die Energie groß, aber die Kraft gering ist, dann ist es Zeit für eine Pause.

In der Politik zeigt sich gerade, dass nicht das beste Personal in wichtige Ämter kommt oder Menschen mit einem besonders großen gesellschaftlichen Gestaltungswillen, sondern Klüngel und Ochsentouren dazu führen, dass eher diejenigen diesen zähen Weg schaffen, die zwar von ausgesprochener Hartnäckigkeit geprägt sind, aber außer der eigenen Karriereplanung wenig gesellschaftliche Visionen im Kopf haben.

Den politischen Gegner zu zerstören ist wichtiger geworden, als die eigenen Positionen mit Leidenschaft zu vertreten. Es besteht wenig Interesse daran, inhaltliche Debatten zu führen, bei denen entweder Kompromisse entstehen oder sogar das Bessere am Ende gewinnen könnte – für uns alle. Politische Debatten bestehen größtenteils aus polemischen und populistischen Tweets oder schwer erträgliche Battles auf unterstem Niveau. Dass dies zu Politikverdrossenheit und einer Anheizung des gesellschaftlichen Klimas beiträgt, ob das überhaupt noch jemanden interessiert, ich weiß es nicht.

Der gesellschaftliche Zusammenhalt und damit unsere Zukunftsfähigkeit war schon vor der Pandemie sehr brüchig, nun hat sich allerdings gezeigt, wie groß die Risse in allen Bereichen sind und wie es um Solidarität in unserer Gemeinschaft tatsächlich bestellt ist.

Der Stand der Digitalisierung, Chancengleichheit oder Gleichberechtigung, überall hat sich gezeigt wie enorm die Defizite sind. Weil nicht Vielfalt für soziale und zukunftsfähige Gestaltung sorgt, sondern zumeist männlich geprägte Einfältigkeit eher den eigenen Machterhalt im Blick hat.

Dazu hat uns der nicht strategisch begleitete demographische Wandel an den Rand des humanitären Zusammenlebens gebracht. Wer das persönliche Leben generationenübergreifend dennoch menschlich gestalten möchte, der macht dies auf seine eigenen Kosten und zwar in finanzieller Hinsicht, in Bezug auf die eigene psychische und physische Gesundheit und mit maximalen Einschränkungen der eigenen Lebensplanung. 

Diese gesellschaftliche Spaltung, das Virus, die Lockdowns, Care-Aufgaben, politische Planlosigkeit, hässliche Kommunikation in Social Media und unzählige persönlichen Dramen und Herausforderungen haben während der Pandemie ordentlich meine Kräfte geraubt. Und mentale Ausgezehrtheit, Stress und Dauerübermüdung wirken sich zudem auch nicht gerade sehr positiv auf persönliche Beziehungen aus.

Als meine Mutter im vergangenen November verstorben ist und ich zuvor rund um die Uhr an ihrem Bett saß, habe ich angefangen einen neuen Business Plan zu schreiben. Nichts halbes mehr zu machen, wie ich es bis dato sicherheitshalber geplant hatte, sondern aufs Ganze zu gehen. Das komplette Konzept für meinen localbook.shop ist am Sterbebett entstanden. Denn diese Grenzerfahrung, die mich persönlich an den Rand des Aushaltbaren gebracht hat, ließ sich aus meiner Sicht nur ertragen, wenn ich sie mit der Zukunft verknüpfe und so das Ende zu einem Anfang mache und den Tod mit dem Leben verbinde. 

Mittlerweile sind alle Hürden genommen, alle Finanzplanungen geregelt und die Gründung der GmbH & Co. KG muss nun nur noch den langatmigen Weg bis zur Eintragung ins Handelsregister nehmen. Das dauert alles sehr lange, durch die Pandemie noch etwas länger und der Handlungsspielraum in dieser Zeit ist sehr beschränkt.

Ein sehr guter Zeitpunkt also, um einen Monat Pause zu machen. Um das Ende nicht nur mit dem Anfang zu verknüpfen, sondern es auch zu verarbeiten. Um einen Monat lang keine Tweets zu lesen und zu schreiben und am Verstand der Menschheit zu zweifeln. Um mich eine Weile lang nicht über politische Entscheidungen aufzuregen. Um mich zu erholen von dem lauten und flüchtigen Getöse und mich zu konzentrieren auf mich selbst. Um im Juli dann mit neuer Kreativität und doppelt geimpft etwas entfernter vom Tod und dafür gestärkter fürs Leben weiterzugehen. Jetzt schon große Vorfreude!

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