Pandemie am Limit

Was Politik in der Pandemie komplett unterschätzt: Für sehr viele Menschen in unserer Gesellschaft ist Corona nicht die größte Bedrohung für ihr Leben. Auch wenn wir in unserer Bubble das nur schwer nachvollziehen können, aber sie kämpfen jeden Tag ganz real darum irgendwie ihre Existenz zu sichern, um zu überleben.

Die Tatsache, dass Theater, Kinos, Clubs, Geschäfte und Cafés geschlossen sind, das kommt nicht einmal am Rande ihrer Lebenswelten vor.

Eine Raumpflegerin sagte mir gestern als wir über Corona Regeln sprachen. „Ich gehe doch nicht shoppen, weil mir langweilig ist. Ich gehe shoppen, wenn mein Kind neue Schuhe braucht und mit etwas Glück habe ich das Geld dafür.“

Die meisten von uns warten darauf, endlich wieder verreisen zu können oder freuen sich auf ausgelassene Abende mit Freunden im Restaurant. Gott verdammt, wie wir das vermissen. Denn wir merken gerade wie sehr wir an unserem privilegiertem Leben hängen und haben scheiße Angst vor dem Virus.

Für einen Großteil ist Corona aber nur die zweitgrößte Bedrohung ihres Lebens und die ist nicht einmal so real, wie Tag für Tag das nötige Geld für Miete und Essen zusammenzubekommen.

Niemand von diesen Menschen interessiert sich für Inzidenzwerte unter 100, über 100, 200 kleiner 50 oder meet, click, Test schnell oder langsam und sonstiges. Sie haben aufgehört das überhaupt zu verfolgen und ich kann das sehr gut verstehen.

Die Aufgabe von Politik wäre es, diese sozialen Tatsachen in ihr strategisches Handeln und in ihre Pandemie-Maßnahmen sowie Impfstrategie mit einzubeziehen, denn nur so könnten sie überhaupt Wirkung erzielen. Denn welche Auswirkungen hat es, wenn Regeln und Hintergründe bei einem Großteil der Bevölkerung gar nicht ankommen? Zum einen für die betroffene Bevölkerungsgruppe selbst, die dadurch einem erhöhten Risiko ausgesetzt ist, an Corona zu erkranken und was damit aber auch auf das Infektionsgeschehen in der Gesamtbevölkerung allgemein sehr großen Einfluß hat. Vermutlich harren weit mehr als 60 Prozent von uns seit über einem Jahr in einem strikten Lockdown aus, arbeiten überwiegend zu Hause, treffen keine Freunde und Familie. Und egal wie viele mahnende Worte der Politik auf uns noch einprasseln, wir werden uns kaum weiter einschränken können. Und deshalb werden keine Maßnahmen, selbst wenn sie sogar intelligent und durchdacht wären, das Infektionsgeschehen zielführend eindämmen können, solange keine sozial spezifischen Überlegungen mit einfließen. Denn dann käme man vermutlich zu dem Schluß, dass nur ein kurzer, harter Lockdown uns überhaupt noch helfen kann und sämtliche Öffnungsstrategien fatal sind.

Ansonsten werden uns nur flächendeckende Impfungen helfen können und dies bedeutet, dass wir noch viele Monate im gesellschaftlichen und ökonomischen semiwischiwaschiwasauchimmer Lockdown verharren werden.

Und Politikerinnen und Politiker verschließen weiterhin die Augen vor der Realität, mahnen und warnen uns vor dem Virus und vergraulen so die letzten von uns auch noch aus ihrem selbst gewählten harten Lockdown.

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