Beautiful Bookstore

Seit ich mich vor einiger Zeit dazu entschieden habe, einen Start-up Buchladen zu eröffnen, läuft das Projekt unter dem Arbeitstitel „Beautiful Bookstore„. Und auch wenn der Name localbook.shop mittlerweile feststeht, wird der hübsche Arbeitstitel bis zur Eröffnung im Herbst noch tief in meinem Herzen verankert bleiben. Ein paar Jahrzehnte arbeite ich jetzt schon im Buchhandel und es gibt einfach nichts schöneres als Bücher und Buchhandlungen. Das heißt aber nicht, dass alles auch einfach so weitergehen kann und wir vor lauter Nostalgie die aktuellen Probleme und die Herausforderungen der Zukunft ausblenden können. 

Es ist nicht von der Hand zu weisen, der Handel und auch der Buchhandel sind volatil. Die leichten Umsatzsteigerungen der letzten Zeit wurde nicht mit steigender Kundschaft, sondern mit steigenden Ausgaben pro Käufer erzielt. Seit 2015 ist die Anzahl der Käufer um 19% gesunken, gleichzeitig aber glücklicherweise die Ausgaben pro Käufer um 20% gestiegen, in den letzten zwei Jahren hat sich der Käuferschwund etwas stabilisiert. 

Zwei Dinge zeigen diese Zahlen besonders: zum einen geht das veränderte Kaufverhalten, sterbende Innenstädte und digitale Angebote nicht am Buchhandel vorbei – das Niveau ist aber nach wie vor hoch. Und zum anderen verdeutlichen die Zahlen und Umfragen, dass die gesellschaftliche Relevanz für Bücher nach wie vor ungebrochen ist. Jeder zweite Euro wird stationär ausgegeben, mit einem kundenorientierten und zielgruppenspezifischen Angebot, das dem 21. Jahrhundert angepasst ist, lässt sich mit Büchern auch weiterhin Geld verdienen. Und bei aller Freude über die Kultur, das sollte und muss man auch.

Deshalb werde ich eine Start-up Buchhandlung gründen, die sich in agiler Weise den analogen und digitalen Bedürfnissen und Veränderungen anpassen kann. Die gesellschaftlichen Veränderungen und Fortschritte in der Digitalisierung haben in den letzten Jahren eine hohe Geschwindigkeit aufgenommen, die aktuelle Corona Pandemie hat dies sogar noch einmal beschleunigt. Ohne permanente Anpassung wird es kaum möglich sein, erfolgreich ein Geschäft über Jahre zukunftsfähig zu gestalten. Für eine Buchhandlung gilt dies noch einmal im besonderen Maße. Meine Grundidee und Grundüberzeugung ist es daher, meine Buchhandlung als Start-up zu konzipieren, die jederzeit bestehende Angebote und Produkte evaluieren und wenn nötig verändern oder verwerfen kann oder ganz neue Angebote, Produkte, Dienstleistungen integrieren kann.

Die Preisbindung ist ein sehr wichtiges (Kultur-) Gut, sie verhindert Preisdumping und garantiert die Vielfalt von Büchern und Buchhandlungen. Eigentlich. Denn es ist nicht zu übersehen, dass die Anzahl der unabhängigen Buchhandlungen in den letzten Jahren arg schrumpft, die Konsolidierung schreitet voran, Amazon wächst und das besondere Buch hat es schwer. Zudem verhindern geringe Margen und steigende Kosten, dass eine Buchhandlung wirtschaftlich bestehen kann, von Rücklagen für nötige Innovationen und Investitionen gar nicht erst zu sprechen.

Mein Geschäftsmodell ist daher auf drei Säulen aufgebaut, denn aus allen vorab beschriebenen Gründe bietet das Buch und sei es noch so literarisch wertvoll, spannend oder romantisch, einfach nicht mehr die nötige Marge für eine umfangreiche Kostendeckung. Zudem wird der gesellschaftliche Part eine wichtige Rolle spielen. Digitale Transformation ist nicht nur Technologie, es geht um neue Geschäftsmodelle, neue Formen von Arbeit, kulturelle Veränderung (insbesondere: Technologie als Chance sehen), gesellschaftliche Veränderungen, kurz: Digitalisierung und neue Technologien benötigen ein offenes Mindset in unserer Gesellschaft.

Buchhandel, Bücher und Lesen sind ein guter Ort, um Menschen Transformation zu zeigen, näher zu bringen und insbesondere Berührungsängste zu nehmen. Um das alles wird es gehen im Beautiful Bookstore.

Neben den drei Säulen des Geschäftsmodells gibt es übrigens auch drei Säulen der Finanzierung. Denn neben der Vielfalt von Buch und Handel ist mir auch die Vielfalt der Gründung wichtig. Denn in meine Buchhandlung fließt keine Erbschaft (Mist) oder sonst irgendwelche kuscheligen Zuwendungen, als Arbeiterkind (okay…mittlerweile schon altes Arbeiterkind) musste ich alles selbst erarbeiten und und zudem anderweitig unterstützen. Dennoch finanziere ich einen sehr großen Teil durch Eigenkapital, einen weiteren Teil durch die Bank und einen einen dritten Teil durch Kooperationen mit Unternehmen, die genau wie ich an die Zukunft von Buch und Handel glauben.

Und jetzt noch ein kurzer Pitch, das Logo zeigt übrigens Datenpunkte in den Druckfarben, die jeweils für eine Säule von localbook.shop stehen, die sich aber durchaus überlappen können und etwas Neues entsteht im besten Falle. Und auf jeden Fall ist es bunt. 😊📚

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s