Abschied

Kaffee und Selfie mit Mama.

Auszug aus meiner Trauerrede

Heute ist heute. Und morgen ist morgen.

Was wir heute hier machen, würde meiner Mutter, unserer Mutter, so gar nicht gefallen. Dass wir uns alle hier versammeln und sie im Mittelpunkt steht, es um sie geht, das hätte sie zu Lebzeiten am liebsten gar nicht zulassen wollen. 

Dass eine Pandemie jetzt dafür sorgt, dass alle Cafés und Restaurants geschlossen sind, nun… was soll ich sagen…

Ich bin unendlich traurig, wir sind alle unendlich traurig, weil ein lieber und herzlicher Mensch nicht mehr da ist. Wie lässt sich darüber hinwegkommen, dass ein Mensch, der unser aller Leben auf die ein oder andere Weise stark geprägt oder begleitet hat, auf einmal fehlt?

Vielleicht kann das Motto, nach dem meine Mutter lebte, auch eine wertvolle Bewältigungs-Strategie für unsere Traurigkeit sein:

Heute ist heute. Und morgen ist morgen, hat sie immer gesagt.

Das war ihr Lebensmotto und bis zum Schluß hat ihr diese Einstellung glaube ich geholfen, wahre Freude zu empfinden. 

Sich an kleinen Dingen zu erfreuen, trotz Schmerzen einen Kaffee in der Sonne zu genießen, niemals, wirklich niemals nachtragend zu sein 

und ein neuer Tag war bei ihr immer wieder wie ein leeres Blatt Papier, das neu beschrieben werden wollte. 

Eine besondere Eigenschaft, die auch uns helfen kann mit unserem großen Verlust umzugehen.

Meine Mutter ist immer offen auf andere Menschen zugegangen, durch ihre herzliche Art hat ihr nie jemand etwas krumm nehmen können. 

Wenn sie früher in die Schule musste, weil ich einen blauen Brief bekommen habe, dann haben sich die Lehrer danach sicherlich gefragt, wie sie so rücksichtslos sein konnten, mir einen blauen Brief zu schicken.

Oder wenn die Eltern auf ihrer Spazierroute regelmäßig montags nach den Bundesliga Spielen den Spielern von Borussia Mönchengladbach beim Waldlauf begegnet sind, dann hatte meine Mutter meist aufmunternde und motivierende Worte für die Spieler, besonders für die, die hinterhergelaufen sind.

Einmal – so erinnere ich mich – hat sie zu Giovane Elber gesagt, er solle doch nicht immer so betrübt gucken, sondern doch auch mal lächeln – dann gehe alles viel leichter.

Mit dem Lächeln wurde es während seiner Zeit bei Gladbach nix mehr, aber vielleicht hat ihm die Begegnung damals geholfen, die Borussia nach einem glücklosen Jahr schnell wieder zu verlassen und sein Glück woanders zu suchen und zu finden. Wer weiß…

Meine Mutter, unsere Mutter, hat definitiv Spuren hinterlassen, bei den Menschen und in der Welt. 

Und das ist wohl der größte Trost, den wir in unserer Traurigkeit empfinden dürfen.

Ich werde Dich unendlich vermissen, Mama. 🖤

* 11. 05. 1939 ✝️ 11. 11. 2020

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