Beautiful Bookstore

Seit ich mich am am 1. März selbständig gemacht habe, um meinen smarten Buchladen zu gründen, ist eine Menge geschehen. Beispielsweise brach eine Pandemie über die Welt herein und ich war wirklich kurz davor das verdammt persönlich zu nehmen. 

Als ich das erste Mal meinen Job als Führungskraft in der Buchbranche an den Nagel gehängt habe (das war im Jahr 2013) und in Berlin Soziologie, Politikwissenschaft und Verwaltungswissenschaft studiert habe und zusätzlich als Beraterin selbständig war, da war mein großes Ziel im Anschluss nach dem Bachelor Abschluss meinen eigenen Beautiful Bookstore in Berlin zu eröffnen. „Beautiful Bookstore“ war immer mein Arbeitstitel für meinen Buchladen, der Begegnungsstätte und digitaler Hub sein sollte, wunderschön, niemals fertig und immer in Bewegung.

Dann kam alles anders, noch während meiner Abschlussarbeit Anfang 2017 musste ich zurück in die Heimat, um mich um meine Familie zu kümmern, mein Vater war schwer erkrankt und meine Mutter erlitt eine Schock-Demenz, die sich zunächst wieder verbesserte, dann aber schubweise immer weiter die kognitiven Fähigkeiten meiner Mutter einschränkte. Dazu kamen immer neue Krankheiten und Unfälle und leider muss ich sagen, dass meine Eltern nicht einmal ansatzweise auf Krankheit oder das Alter eingestellt waren. Die Haltung, es kommt schon jemand, der oder die sich kümmert (meistens ich), zieht sich durch ihr komplettes Leben und ist vermutlich in der Generationen der Kriegskinder gar nicht so ungewöhnlich, auch wenn ich sagen muss, dass es bei meinen Eltern schon sehr extrem ausgeprägt ist.

Von jetzt auf gleich war ich also mit dem Thema Care Arbeit konfrontiert, unbezahlt und physisch und psychisch sehr auslaugend und belastend. Zusätzlich habe ich wieder als Führungskraft in der Buchbranche gearbeitet und zuletzt eine Tochterfirma von Mayersche Thalia geleitet. Im letzten September, nach vielen weiteren privaten Katastrophen und beruflichen Herausforderungen hat mich dann ein akutes Erschöpfungssyndrom ausgeknockt. Das führte mich ungewollt nach Holland, denn abends im Auto auf dem Heimweg von der Arbeit war ich nicht mehr fähig eine Entscheidung zu treffen, ich wollte ja schon abbiegen, aber es ging nichts mehr. So fuhr ich immer weiter gerade aus, bis ich schließlich in Holland in einem Feldweg landete. Was für ein großes Finale einer Dienstfahrt.

Nach einer viel zu kurzen Auszeit machte ich zunächst weiter, aber ziemlich schnell war mir klar, wenn ich nicht trotz aller verpflichtenden Umstände meinen Traum verwirkliche, dann wird mich das auf Dauer nicht nur nicht glücklich machen, sondern auch ziemlich krank. Ich kündigte also meinen Job und überlegte, wie ich alles unter einen Hut bringen kann. Mein Beautiful Bookstore musste also nicht nur mein smarter Buchladen sein, sondern alle meine privaten Verpflichtungen, die ich ja nicht einfach abschütteln kann, kamen mit rein in das Gesamtkonzept. 

Mein Business findet daher nicht trotz aller sozialen Verpflichtungen irgendwie trotzdem statt, sondern ganz genau mit ihnen zusammen. Ein wirklich nachhaltiges Geschäftsmodell also, indem man nicht nur aus der Marketing Brille überlegt, wie man sich human, mit Sinn und gesellschaftlich relevant nach außen geben könnte, sondern ein Geschäftsmodell, dessen DNA es alleine schon ist, sämtliche Faktoren einer diversen und solidarischen Gesellschaft mitzudenken. Meinen Finanzplan habe ich nicht damit durchgebracht, weil ich in der Gründungsphase mindestens 100 Stunden arbeite, sondern damit, dass ich alles auch dank digitaler Innovationen, professioneller Organisation und tollem Team mit weniger Stundeneinsatz schaffen werde, um auch alles andere zu wuppen – denn auch das gehört zu meinem Leben.

Nach den letzten Jahren war es mir besonders wichtig, meinen Beautiful Bookstore genau auf die Füße zu stellen, die mein Leben ausmachen. Auf diese Weise wird es zukünftig vielleicht auch grundsätzlich diversere und nachhaltigere Gründungen geben können. 

Mein Beautiful Bookstore heißt dann bald in echt LOCALBOOK.shop. Und nach den Erfahrungen mit der Pandemie wird er nicht, wie ursprünglich geplant, in der Düsseldorfer Altstadt öffnen, sondern im Frühjahr 2021 in der Nähe des Düsseldorfer Medienhafen – mit weniger Frequenz, aber noch mehr Raum für Neues. Und mit Abstand.

Die letzte Zeit war auch dadurch so anstrengend, weil wir sehr mühsam alle bürokratischen Hürden (dann auch noch unter Corona Bedingungen) für die Pflege der Eltern und Schwiegermutter nehmen mussten, eine große Belastung. Daher werden wir auch das Thema Pflege aufnehmen und eine Elderly App an den Start bringen, die Hilfe leisten wird die richtigen Ansprechpartner in den verschiedenen Situationen zu finden und gleichzeitig auch mentale Unterstützung bieten wird – eine große Herzensangelegenheit, die in unser Business Konzept gehört. Stay tuned!

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