Perspektivwechsel

Gestern erst fragte mich wieder jemand, wie ich das schaffe mit dem täglichen pendeln nach Düsseldorf. Und dann noch bei den Arbeitszeiten im Buchhandel. Hm, stimmt schon. Gestern Abend war ich nach der Spätschicht um zehn zuhause und heute Morgen ging um sechs schon wieder der Wecker. Und mittlerweile sitze ich schon seit einiger Zeit im Zug. Nach Lesungen oder Veranstaltungen verlängert sich der Abend nochmal um ein paar Stündchen.
Aber ehrlich gesagt stelle ich mir diese Frage gar nicht. Mein Job macht mir mega Spaß, es ist so unendlich viel zu bewegen. Jeden Tag. Kaum irgendwo musst Du analog und digital so perfekt aufgestellt sein wie im Buchhandel, um den Kundinnen und Kunden das Einkaufserlebnis zu bieten, das sie aktuell wünschen. Und kaum irgendwo musst Du darüber hinaus so extrem daran arbeiten, dass dies auch noch in Zukunft der Fall sein wird. Diese Prozesse müssen laufen, ohne dass die Leichtigkeit mit Leidenschaft Bücher zu verkaufen, verloren geht.
Manchmal muss man sich dazu auch mal ganz neu einnorden. Neues lernen, die Perspektive wechseln, bestehendes auch mal krass in Frage stellen. Das habe ich vor fünf Jahren gemacht. Und im Nachhinein war das mein größtes Glück. Und auch mein größter Luxus.
Wenn ich also heute gefragt werde, wie ich das schaffe mit dem pendeln und der Arbeit, dann freue ich mich einfach, dass ich das NULL als Anstrengung sehe. Es ist einfach eine Frage der Perspektive.
Dieser Herr auf dem Foto spielte sich heute Morgen um halb acht schon in der Unterführung meines Provinzbahnhofs die Seele aus dem Leib, wie man so schön sagt. Als ich ihm Kleingeld in den Hut warf und einen schönen Tag wünschte, strahlte er übers ganze Gesicht, erwiederte die Wünsche und spielte noch freudiger weiter. Das sind meine Helden des Lebens. Ob ihn auch jemand fragt, wie er das schafft?
Allen einen wunderbaren, sonnigen und leidenschaftlichen Tag!