CO2-Fußabdruck per Flipflops

Keine Koffer. Dafür Champagner.

In diesen Zeiten zu fliegen fühlt sich schon etwas verantwortungslos an. Wie sich damit umgehen lässt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Wir fliegen nur noch selten, in diesem Jahr wird es bei diesem einen Ferienflug nach Mallorca bleiben. Natürlich haben wir uns vorher damit auseinandergesetzt und für uns persönlich so entschieden. Ansonsten reisen wir mittlerweile recht klimaneutral mit der Bahn, auch wenn dies bedeutet, dass meine Frau, wenn sie in die Firma nach Berlin muss, am Sonntagnachmittag schon nach Berlin fährt mit der Bahn, statt erst am Montagmorgen zu fliegen. Wichtig finde ich vor allem, dass man sich seiner CO2-Fußabdrücke in dieser Welt bewusst ist und in jeder Lebenssituation sein Verhalten hinterfragt. Und Handlungen nicht für alternativlos hält, aber eigentlich unbequem meint. Aufgrund der familiären Situation reicht bei uns momentan die Zeit nur für fünf Tage Ferien, zwei Wochen wären schöner gewesen. Vielleicht hätten wir dann sogar eine andere Fortbewegung gewählt. Das geschärfte Bewusstsein hat dazu geführt, dass wir zum ersten mal Business Class geflogen sind, wenn schon fliegen, dann soll es auch eine gewisse Wertigkeit haben und nicht günstiger sein als eine Bahnfahrt nach Berlin. Es war sehr komfortabel und hat große Freude bereitet, vielleicht lässt sich mit weniger, aber dafür mit bewussteren Fußabdrücken die Welt sogar noch schöner entdecken. Und Champagner gab’s auch. 🍾🙂😘

(Allerdings ist zum ersten mal unser Gepäck verloren gegangen, glücklicherweise auf dem Rückflug… danke Business 😑😃) #Fliegen #Reisen #Ferien #Business #klimawandel #fridaysforfuture #co2fußabdruck #mobilität

Kapitulation

„Eine Kapitulation ist eine Unterwerfungserklärung, im allgemeinen Sprachgebrauch ein „endgültiges Sichbeugen vor überlegener Gewalt“.“ So ist es in Wikipedia zu lesen und ich habe ein wenig gezögert, dieses harte Kriegsvokabular zur Beschreibung meiner Situation zu nutzen. Und was heißt überhaupt Gewalt? Hat das nicht eher etwas mit Prügelei, Mord und Totschlag zu tun? Nicht unbedingt – daher habe ich mich entschieden, es so klar zu benennen, denn nur wer etwas sehr klar benennt, kann auch etwas verändern. Im Job ist mir dies jeden Tag bewusst und ich zögere da nicht eine Sekunde einen Sachverhalt klar zu benennen, zu analysieren und wenn es sein muss auch sehr schnell zu verändern, mit allen Konsequenzen.

Im Privatleben gestaltet sich dies allerdings etwas schwieriger. Als ich am 15. Januar 2017 in Berlin in den ICE Richtung alte Heimat stieg, war mir nicht klar, dass ich damit auch gleichzeitig meine seit fünf Jahren lieb gewonnene neue Heimat verlasse. Meinem Vater ging es sehr schlecht, er hatte Herzprobleme und Wasser in der Lunge. Meine Familie und die meisten meiner Geschwister waren nicht in der Lage hier positiv einzugreifen und zu unterstützen, so wie sie auch in den Jahren davor es nicht geschafft haben, bei meinen Eltern hin und wieder nach dem Rechten zu schauen, sodass ich eh schon mindestens monatlich aus Berlin anreiste, um selbst nach den mittlerweile älteren und immer schon sehr unselbstständigen Eltern zu sehen. Darüber habe ich in einem früheren Blogpost Hallo Mama – hier bin ich! schon einmal geschrieben. Es war für mich von Anfang an ein sehr hart erkauftes neues Leben, das dann leider noch härter wurde.

Meinen Vater brachte ich am nächsten Tag ins Krankenhaus, meine Mutter fiel im selben Moment in eine Art Schockdemenz. Von einem Tag auf den anderen hatte ich zwei Pflegefälle gewonnen und das mitten in meiner Bachelor-Arbeit, die ich gerade begonnen hatte zu schreiben. Für das Studium, das ich mit Anfang vierzig gestartet hatte und das mir so am Herzen lag, hatte ich eine ziemlich gute Karriere beendet – all das drohte an einem Tag zu zerbröseln. Um gleich mal zu spoilern, das Studium der Politikwissenschaft und Soziologie habe ich trotz dieser Katastrophe mit der Note 1,3 abgeschlossen und die Bachelor-Arbeit nachts am Küchentisch meiner Eltern zwischen Tulpen von Aldi und auf einer löchrigen karierten Tischdecke geschrieben. Über mein Studium und die Modul-Challenge habe ich mich hier „Hack the Bachelor… oder wie eine Elfe auf rohen Eiern“ schon einmal ausgelassen.

Mein Vater wurde nach langer Krankenhaus Odyssee im Aachener Klinikum am Herzen operiert, es gab Komplikationen, er erlitt ein Durchgangssyndrom nach der Narkose, bekam eine Lungenentzündung, lag lange im Koma, im Delier, wurde einige Monate künstlich ernährt und beatmet. (Kurzfassung). Die Pflegerin auf der Beatmungsstation begrüßte mich mit den Worten, dass sie gnadenlos unterbesetzt sind und man sich nicht um meinen Vater wird kümmern können. Das nahm ich dann selbst in die Hand, mein Leben war eh erst einmal reichlich hinüber, da kam es auf etwas mehr oder weniger Drama jetzt auch nicht mehr drauf an. Das ganze mit einer dementen Mutter an der Seite, das hatte schon etwas von Endzeit-Stimmung.

Nach einigen Monaten, ungefähr 15.000 gefahrenen Krankenhaus-Kilometern, gerichtlicher Betreuungsverfügung, zig Tausende Euro Verlust und 50 Seiten nächtlich geschriebener Bachelor-Arbeit konnte mein Vater das Krankenhaus und die Reha verlassen. Ich war ziemlich überfordert und ahnte schon länger, dass ich zukünftig in der Nähe meiner Eltern bleiben muss. Ich suchte eine Wohnung, schickte meiner Frau in Berlin Fotos und mietete eine wunderschöne Wohnung, ohne dass meine Frau diese je gesehen hatte. Im Juli reiste ich zum Packen in den Prenzlauer Berg, den Umzug hatte ich komplett digital arrangiert, da keiner von uns Zeit hatte, sich damit zu beschäftigen. Meine Frau konnte ihren Job glücklicherweise im rheinischen Home-Office fortsetzen. Meine eigenen Zukunfts-Träume blieben erst einmal in Berlin zurück.

Es dauerte etwas bis wir das Leben der Eltern einigermaßen ins ruhige Fahrwasser gebracht hatten, mit allen langwierigen, bürokratischen Anstrengungen, die es bedeutete an Hilfe zu kommen. Um das eigene Leben auch wieder in den Griff zu bekommen startete ich eine Schnell-Regeneration von Körper und Geist, mir ging es zwischenzeitlich so beschissen, dass ich auf Lupus untersucht wurde, mein Gesicht bestand nur noch aus roten Pocken und nach leichter körperlicher Anstrengung fühlte ich mich wie nach einem Marathon. Mit viel Unterstützung und gewohnter Selbstdisziplin (und guter Abdeckcreme aus der Apotheke) schaffte ich es ab September wieder in meinem alten Buchhandlungsunternehmen zu arbeiten.

Aber kaum hatten wir uns wieder berappelt, erkrankte mein Schwiegervater sehr schwer und verstarb im letzten Jahr nach großen Qualen, die ein Hirntumor so mit sich bringt. Gleichzeitig verschlimmerte sich der Zustand der an Alzheimer leidenden Schwiegermama dramatisch. Wieder hatten wir zwei Pflegefälle am Start und spielten weiterhin Second Level Support für meine Eltern. Wir mussten auf die Schnelle einen Pflegeplatz für die Schwiegermama finden und gleichzeitig die hoffnungslose Therapie des Schwiegervaters im Krankenhaus begleiten. Die letzte Krankensalbung und die Begleitung in den Tod eines geliebten Menschen waren das schlimmste was meine Frau und ich jemals aushalten mussten und dennoch ist einem bewusst, dass dies zum Leben dazu gehört und wenn man einen Menschen liebt, steht es ausser Frage dies gemeinsam durchzustehen. Eine Erfahrung, die den Blick auf das eigen Leben und die eigene Liebe schärft.

Es dauerte wieder lange bis sich der Ausnahmezustand gelegt hat, die Schwiegermama verschwand des öfteren nachts aus dem Heim, dennoch möchte man einen Menschen, den man liebt, nicht einsperren lassen, dessen einziges Unglück es ist, dass der Geist, das Denk- und Orientierungsvermögen nachlässt. Es muss andere Möglichkeiten in unserer Gesellschaft geben, als diese Menschen wie Kriminelle wegzusperren und wieder war es ein langer Prozess, der sich gelohnt hat. Mit viele Hilfsmitteln und einer guten Organisation kann die Schwiegermutter in einem ganz normalen Seniorenheim leben und ist glücklich. Und ist es nicht das, was allen Menschen bedingungslos zustehen sollte, Glück?

Dieses Jahr sollte nun ein besonderes Jahr werden. Endlich wollten wir wieder im Mittelpunkt stehen, Urlaub machen, planen, sich verabreden, wie so fröhliche Menschen halt. Silvester stiessen wir auf das wunderbare neue Jahr an und auf unsere großartigen Pläne. Am 7. Januar, wir waren gerade im ICE auf dem Rückweg von Berlin, rief mein Vater auf dem Handy an. „Schlechte Nachrichten, Mama ist gefallen und hat sich die Hüfte gebrochen. Sie wird morgen operiert.“ Um 23.00 Uhr sassen wir im Wohnzimmer meiner Eltern, neben einem Häufchen Vater voller Sorge – schwer herzkrank und seit nachmittags auf Krankenhaus Tour. Wir innerlich kotzend machten fröhliche Stimmung.

Nach einer anstrengenden, aber erfolgreichen Zeit konnte meine Mutter die Reha verlassen, trotz ihrer Demenz schaffte sie es schnell wieder auf die Beine, zumindest mit Rollator. Es galt zwar einiges an Pflegekram und Physio zu organisieren, meiner Mutter regelmäßig zu erklären, dass sie eine gebrochene Hüfte hatte, aber ansonsten standen die Zeichen auf Zukunft. Eine Woche nach der Entlassung aus der Reha, am 15. Februar, rief meine Mutter uns an: „Papa ist gefallen und kann nicht mehr alleine aufstehen.“ Im Nachhinein bin ich mir fast sicher, dass meine Mutter meinen Vater mit dem Rollator in der engen Wohnung angefahren hat, aber dass ist weder aus einer dementen Mutter, noch aus einem Vater, der schon eine Vertreibung aus Ostpreussen hinter sich gebracht hat, herauszubekommen. Es ändert aber auch nichts an der Tatsache, dass sich Mutter und Vater, die in ihrem Leben noch keinen einzigen Knochenbruch erlitten hatten, innerhalb von nicht einmal zwei Monaten, beide die Hüfte gebrochen haben. Wo ist Loriot, wenn man ihn braucht.

Leider verlief die Geschichte bei meinem Vater nicht sehr positiv. Fehldiagnose, nur eine Prellung hieß es, wochenlang im Krankenhaus und Reha. Und mein Vater wäre nicht mein Vater, wenn er nicht mit gebrochener Hüfte wieder laufen gelernt hätte, unter sehr starken Schmerzen vermutlich. Vor zwei Wochen bin ich mit ihm dann zumRöntgen gefahren, weil es einfach nicht besser wurde, das Röntgenbild war eindeutig. Die Hüfte war definitiv gebrochen.

Nun wurde er gerade operiert, wir haben diesmal alles selbst organisiert, damit aus einer gebrochenen Hüfte nicht wieder ein Aufenthalt auf der Weaning Station wird. Auch wenn es nun noch etwas dauert, bis er wieder auf den Beinen ist, so ist doch alles sehr gut verlaufen. Für us bedeutet das allerdings Organisation from hell.

Ich habe mittlerweile einen Job, der so anspruchsvoll ist, dass er ohne familiäre Dauerverwicklungen schon eine große Herausforderung und Anstrengung ist. Um hier erfolgreich zu sein, muss einiges umgekrempelt werden, schnell gearbeitet und einige Konzentration aufgewendeter werden. In Einklang mit meinem Leben lässt sich das aktuell nur schwer bringen. Eigene Projekte, die ich seit langer Zeit verwirklichen will, erst recht nicht. Freizeitbeschäftigung schon gar nicht. Die Lebensfreude nimmt ab, Körper und Geist lassen nach. Mit immer weniger Energie müssen immer größere Aufgaben gestemmt werden. Die Batterien laufen schneller leer, als man sie wieder auffüllen kann. Manchmal sitze ich abends noch minutenlang im Auto vorm Haus, weil ich es nicht schaffe auszusteigen. Gestern war ich nicht einmal fähig dem Navigationsgerät zu folgen und abzubiegen, ich fuhr noch einige Zeit gerade aus, bis ich überhaupt fähig war zu wenden. Nicht das erste Mal leider in der letzten Zeit.

Mir ist klar, dass dies kein normales ausgepowert sein mehr ist. Kein normales müde sein oder eine kurzzeitige Überbelastung. Schnelle Strategien müssen her, um die Belastung zu senken. Deshalb heißt der Blogpost „Kapitulation“. Nur mit klarer Sprache lassen sich ehrlich neu Wege gehen. Alles braucht seine Zeit.

Perspektivwechsel

Gestern erst fragte mich wieder jemand, wie ich das schaffe mit dem täglichen pendeln nach Düsseldorf. Und dann noch bei den Arbeitszeiten im Buchhandel. Hm, stimmt schon. Gestern Abend war ich nach der Spätschicht um zehn zuhause und heute Morgen ging um sechs schon wieder der Wecker. Und mittlerweile sitze ich schon seit einiger Zeit im Zug. Nach Lesungen oder Veranstaltungen verlängert sich der Abend nochmal um ein paar Stündchen.
Aber ehrlich gesagt stelle ich mir diese Frage gar nicht. Mein Job macht mir mega Spaß, es ist so unendlich viel zu bewegen. Jeden Tag. Kaum irgendwo musst Du analog und digital so perfekt aufgestellt sein wie im Buchhandel, um den Kundinnen und Kunden das Einkaufserlebnis zu bieten, das sie aktuell wünschen. Und kaum irgendwo musst Du darüber hinaus so extrem daran arbeiten, dass dies auch noch in Zukunft der Fall sein wird. Diese Prozesse müssen laufen, ohne dass die Leichtigkeit mit Leidenschaft Bücher zu verkaufen, verloren geht.
Manchmal muss man sich dazu auch mal ganz neu einnorden. Neues lernen, die Perspektive wechseln, bestehendes auch mal krass in Frage stellen. Das habe ich vor fünf Jahren gemacht. Und im Nachhinein war das mein größtes Glück. Und auch mein größter Luxus.
Wenn ich also heute gefragt werde, wie ich das schaffe mit dem pendeln und der Arbeit, dann freue ich mich einfach, dass ich das NULL als Anstrengung sehe. Es ist einfach eine Frage der Perspektive.
Dieser Herr auf dem Foto spielte sich heute Morgen um halb acht schon in der Unterführung meines Provinzbahnhofs die Seele aus dem Leib, wie man so schön sagt. Als ich ihm Kleingeld in den Hut warf und einen schönen Tag wünschte, strahlte er übers ganze Gesicht, erwiederte die Wünsche und spielte noch freudiger weiter. Das sind meine Helden des Lebens. Ob ihn auch jemand fragt, wie er das schafft?
Allen einen wunderbaren, sonnigen und leidenschaftlichen Tag!

Buchladen der Zukunft: Begegnungsstätte und digitaler Trendsetter

Postits

Auch in einer digitalisierten Welt von Morgen steht der Mensch im Mittelpunkt. Wohl noch mehr als heute.

In einer Zukunft, in der immer mehr digitalisiert wird, Maschinen und Roboter viele unserer Tätigkeiten übernehmen und wir mit Computerstimmen kommunizieren, werden Menschen sich noch mehr nach analogen Orten sehnen, an denen sie sich wohlfühlen können und als Individuum wahrgenommen werden – ein Ort der Begegnung.

Die moderne und kreative Buchhandlung der Zukunft ist technisch auf dem neusten Stand, um sämtliche digitalen und analogen Serviceleistungen anzubieten, die unsere Kundinnen und Kunden wünschen und die ihr Leben bequemer machen. Es gibt kein Endprodukt mehr, sondern alles bleibt in Bewegung. Flexibel & sportlich. Analog wie digital. Wie sieht das aus?

Coworking-Area

Mitten in unserer Buchhandlung gibt es Arbeitsplätze. Dort in der Coworking-Area können Menschen digital arbeiten, sich austauschen, netzwerken und vielleicht sogar Bücher schreiben. Dort finden Workshops statt zu Trendthemen und Kinder können die Sprache der Zukunft lernen: Programmieren.

Lehrerinnen und Lehrer können sich in Schulungen mit dem Einplatinencomputer „Calliope mini“ vertraut machen, der zukünftig in allen Grundschulen eingesetzt werden wird, um Schülerinnen und Schülern das Coden beizubringen. Abends oder am Wochenende finden auch mal Buch-Hackathons statt.

Espresso Book Machine

Eine Espresso Book Machine (Print-on Demand-Drucker), die in 5 Minuten aus PDF Dateien Bücher druckt, gehört zur Ausstattung der Zukunftsbuchhandlung. Dort können Kundinnen und Kunden sich die Bücher ausdrucken lassen, die nicht vorrätig sind. In der Zwischenzeit trinken sie einfach einen Kaffee oder Espresso im Café – der schnellste Weg der Buchbestellung, bei dem nicht einmal Amazon mithalten kann. Bäm!

Wer doch ein Buch bestellen möchte und sich dies nicht nach Hause liefen lassen will, der kann das Buch zu jeder Zeit am Buch-Abholautomaten abholen.

E-Book-Reader Bar

Noch schneller geht es nur an unserer E-Book-Reader Bar. Dort kann sich jeder seine E-Books sofort kaufen und gleich in seine Tolino Cloud hochladen. Die Rechnung wird automatisch aufs Smartphone gesendet, entweder wird per Kreditkarte abgerechnet oder über die Blockchain-Technologie in Kryptowährung bezahlt, oder aber bei dem Kollegen, der Kollegin, mit dem Tablet. (Tablet? Spoiler!). Wer es altmodisch mag, lässt einfach den Rechnungs-Barcode an der Kasse scannen und bezahlt womit er gerne möchte.

Mittelpunkt Mensch

Die Buchhändlerinnen und Buchhändler sind ausgestattet mit Tablet oder Smartphone und beraten, recherchieren, bestellen oder kassieren dort, wo der Kunde ist. Am Regal, an der EBook-Bar oder im Café. Feste Info-PC Stationen gibt es keine mehr.

Analoges und digitales Sortiment

Analog oder digital ist für uns keine wichtige Unterscheidung mehr. In der Zukunftsbuchhandlung gibt es zwar weniger gedruckte Bücher als heute, schließlich lassen sich alle Bücher jederzeit nach Wunsch ausdrucken, Kunden können sich aber alle kuratierten Bücher zu allen Themen in der App oder an unseren Kunden-Monitoren digital anschauen.

Die Buchhändlerinnen und Buchhändler sind mit den digitalen Sortimenten und Themen-Tischen genauso vertraut wie mit den analogen. Die buchhändlerische Kompetenz zeigt sich nicht nur in der emotionalen, analogen Gestaltung der Sortimente, sondern darüber hinaus auch in der fein kuratierten digitalen Premium-Buchhandlung, die alle wichtigen Bücher und schönsten Dinge beinhaltet.

Wir sind immer dort, wo unsere Kunden sind. Vor Ort oder im Netz.

Coden mit dem Calliope

Nachdem mich 2017 einmal kräftig durchgeschüttelt und mein Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, freue ich mich nun erst einmal auf das schöne neue und unverbrauchte Jahr 2018.

Was mich im letzten Jahr gerettet hat: Lieblingsmenschen, Leidenschaft, Neugier, lernen, durchbeißen und niemals aufgeben!

Was ich im letzten Jahr begonnen habe, das aber durch die Beschissenheit widriger Dinge dann doch etwas zu kurz kam, ist das Programmieren. Ich habe begonnen PHP und MySQL zu lernen, habe mich dann für das sehr coole Ruby on Rails begeistert und mich in den Calliope verliebt.

Das alles möchte ich in diesem Jahr etwas intensiver fortführen und ich merke schon, dass bei mir nach dem harten letzten Jahr nun etwas mehr die Spielfreude überwiegt, daher werde ich mich zumindest zu Beginn des Jahres etwas mehr auf den Calliope konzentrieren. Nach der gecodeten „Ode an die Freude“ noch in der Silvesternacht, ging es heute gleich mit einem weiteren kleinen Projekt weiter. Da der Sound etwas träge daher kam, was nicht nur an der schiefen Tonlage lag, habe ich gleich heute Lautsprecher und Kopfhörer daran gebastelt, mit einem nun recht satten Ton, wie man im Video anhören kann. Dazu benötigte ich lediglich eine Büroklammer und zwei Krokodilklemmen.

Ziel ist es bis zum Frühjahr dieses Jahres so fit zu werden, um ehrenamtlich ein paar Programmier-Workshops in Seniorenheimen durchzuführen. Was ich nämlich auch gelernt habe im letzten Jahr: die Menschen, die am meisten von neuen Technologien profitieren würden, sind leider komplett abgehängt und haben Angst vor Neuem. Wenn ich mein privates Smart Home vom Sofa und per App herumkommandiere, dann mag das momentan noch eher etwas mit Bequemlichkeit oder einfach Spaß zu tun haben, für ältere Menschen könnte es aber eine große Chance sein, ihr Leben solange wie möglich selbstbestimmt und mit Freude zu leben. Oder die Welt auch einfach nur noch zu verstehen. Dazu kann es aber nicht kommen, wenn die Angst vor neuer Technik überwiegt und es zudem auch gar keinen Zugang zur digitalen Welt gibt. Um das zu ändern ist der Calliope vermutlich ein hübscher kleiner und kluger Begleiter.

Wir werden sehen. Und ich werde definitiv berichten. Stay tuned!

Lesen macht einfühlsamer

Bronte

Bücher zu lesen macht uns einfühlsamer und zugewandter, wie Forscher der Kingston University London kürzlich in einer Untersuchung herausgefunden haben. Wer regelmäßig liest, kann Themen besser aus verschiedenen Blickwinkeln und mit deutlich mehr Empathie betrachten. Empathie wiederum ist ein wichtiger Erfolgsfaktor sowohl im Umgang mit dem eigenen Team wie auch mit Kunden, auch bei der Weiterentwicklung von Dienstleistungen und Produkten.

Lesen kann also durchaus zum Unternehmenserfolg beitragen, wenn man dieses Ergebnis weiterspinnt, was ich als Buchhändlerin natürlich sehr gerne tue.

Was sollten Sie aber beachten für den größtmöglichen Lese-Erfolg?

Erstens: Greifen Sie nicht automatisch zu einem Fachbuch, auch wenn die Blockchain, Künstliche Intelligenz, Smart Home oder Plattform-Ökonomie bestimmt spannend sind für Ihren Job oder Ihr Unternehmen. Nehmen Sie sich lieber die modernen Visionäre zum Vorbild: Tesla-Chef Elon Musk beispielsweise zählt sich selbst zu den Viellesern und fühlt sich besonders von Tolkiens «Herr der Ringe» inspiriert. Und Microsoft-Gründer Bill Gates veröffentlicht sogar regelmäßig eine Leseliste auf seinem Blog; darauf finden sich immer auch Romane — dieses Genre soll übrigens einen besonders positiven Effekt auf unser Sozialverhalten haben.

Zweitens: Wer den ganzen Tag aufs Smartphone oder einen Bildschirm starrt, darf in seiner Freizeit auch mal «old school» ein Buch aus Papier in die Hand nehmen. «Wir erinnern uns an den Inhalt eines gedruckten Buches leichter als an den eines digitalen», sagt der Leseforscher Adriaan van der Weel vom Forschernetzwerk E-Reads, das sich mit den Auswirkungen des digitalen Lesens auf Mensch und Gesellschaft befasst. Vielleicht liegt darin auch einer der Gründe, warum der E-Book-Markt in der Schweiz und in Deutschland nicht wirklich in Fahrt kommen mag. (Und ja: E-Books sind auch einfach zu teuer.) Aber selbst in den USA erlebt der stationäre Buchhandel gerade wieder einen Aufwind, selbst Amazon eröffnet bekanntlich mittlerweile auch eigene Läden.

Das Buch ist tot, es lebe das Buch.

Die beliebtesten Weihnachtsgeschenke sind auch in diesem Jahr Bücher. Das ist nicht nur eine beruhigende Nachricht für die Buchbranche, die ein Viertel ihres Jahresumsatzes im Weihnachtsgeschäft generiert, sondern es könnte auch Inspiration sein, sich selbst oder lieben Menschen mal wieder ein schönes Buch zu schenken  —  daher hier als empathische Anregung meine drei Pflichtlektüre-Lieblings-Buchtipps der Saison:

«Ein wenig Leben» von Hanya Yanagihara 
(Mayersche)

958 Seiten voller Wucht über menschliche Abgründe, lebenslange Freundschaft und wahre Liebe. Gehört für mich zu den Büchern, die man einfach gelesen haben muss, weil es einzigartig ist und jede einzelne Seite die vier College-Freunde und ihre Geschichten unfassbar lebendig werden lässt.

«Die Geschichte der Bienen» von Maja Lunde
(Mayersche)

Das prekäre Verhältnis von Mensch und Natur hat Maja Lunde bewegt, dieses Buch zu schreiben. Im Mittelpunkt stehen aber drei packende Geschichten von Menschen aus der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, die kunstvoll miteinander verwoben werden. Ein unvergleichliches, irre gutes Buch, keine einzige Minute dieser ergreifenden Lektüre ist verschwendet. Versprochen!

«Kraft» von Jonas Lüscher
(Mayersche)

Erst kürzlich wurde Jonas Lüscher für «Kraft» mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Sein Romanheld Richard Kraft, ein Rhetorikprofessor in Tübingen, zieht ins Silicon Valley, um seiner finanziellen und persönlichen Misere zu entfliehen. Durch Kalifornien irrend wird er aber mehr mit Vergangenheit und Zukunft konfrontiert, als ihm lieb ist. Ein genialer, moderner Gesellschaftsroman, der einfach Spaß macht.

Ich wünsche allen schöne & besinnliche Weihnachten!

(Verfasst: 01.08.2016) – Closer Look: Parteiendifferenz in der Integrationspolitik. Vom Zuwanderungsgesetz zum Integrationsgesetz.

Besonders für den aktuellen Wahlkampf ist interessant zu wissen, wie eigentlich Gesetze und Inhalte in Koalitionsregierungen entstehen und dass es keineswegs ausschließlich um aktuelle, parteipolitische Faktoren geht, die in Regierungsentscheidungen einfließen. Alle Parteien schleppen mittlerweile eine mehr oder weniger lange Parteihistorie mit sich herum, die immer auch Einfluss auf die verschiedenen Themen hat, wie beispielsweise bei der Sicherheit, Migration, Bildung, Gesellschaftsordnung oder auch bei Fragen rund um die Digitalisierung. Besonders deutlich wurde dies jüngst bei der „Ehe für Alle“. Ein Beispiel, das gezeigt hat, dass obwohl es in der Gesellschaft breite Zustimmung in dieser Frage gab, konservative Parteien wie CDU und CSU zwar nicht geschlossen, aber mehrheitlich, gegen die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare gestimmt haben. Klingt doch eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, dass Parteien ja um die Wählergunst buhlen und sie sich deshalb nicht selten der Stimmung in der Gesellschaft angepasst haben. Und der LGBT-Anteil in Deutschland wird auf immerhin ca. 7,4 Prozent geschätzt. Es gibt aber Einstellungen zu Themen in den Parteien, die so tief in ihrer Identität verwurzelt sind, dass sie davon auf gar keinen Fall abrücken, selbst wenn sie damit gegen die Mehrheitsstimmung agieren.  Weiterlesen „(Verfasst: 01.08.2016) – Closer Look: Parteiendifferenz in der Integrationspolitik. Vom Zuwanderungsgesetz zum Integrationsgesetz.“

Bedingungsloses Grundeinkommen. Risiken und Chancen für die Geschlechtergerechtigkeit.

Die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens hat in der jüngsten Zeit wieder an Aufmerksamkeit gewonnen. Auch wenn Konzepte und Begründungen eines Grundeinkommens variieren, ein wichtiger Aspekt in den aktuellen Debatten ist meist die Digitalisierung und Automatisierung von Jobs.

Im Zuge der neuen Arbeitswelt 4.0 werden zahlreiche Arbeitsplätze und Tätigkeiten wegfallen oder sich zumindest verändern. Ob das häufig proklamierte „Ende der Arbeit“ durch Digitalisierung, Automatisierung und Robotik droht, können auch Studien zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschließend klären. Frey und Osborne (2013) haben in einer Studie die Automatisierbarkeit von Berufen untersucht und festgestellt, dass in den  nächsten 10 bis 20 Jahren 47 Prozent der Beschäftigten in den USA von Automatisierung betroffen sein könnten. Eine Übertragung der Studie auf Berufe in Deutschland im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit vom Mannheimer Forschungsinstitut ZEW  zeigt, dass 42 Prozent der Beschäftigten in Berufen mit hoher Automatisierungswahrscheinlichkeit arbeiten. Die ZEW-Forscher haben zusätzlich die konkreten Tätigkeiten betrachtet und halten einen wirklichen Wegfall von lediglich 12 Prozent der Arbeitsplätze für wahrscheinlicher, was ungefähr 5 Millionen Jobs in Deutschland ausmacht.  Diese Wahrscheinlichkeit ist in den unteren Einkommensbereichen und bei Geringqualifizierten am höchsten (vgl. Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung 2015).

Auch wenn durchaus neue Arbeitsplätze im Zuge der Digitalisierung entstehen sollten, werden dafür zusätzliche Qualifikationen erforderlich sein, deren Anforderungen nicht unbedingt von allen zu erlernen sind, was das Konzept eines Grundeinkommens wiederum befördert.

Die Analyse „Arbeit 4.0 – Blind Spot Gender“, eine vorläufige Auswertung von PIAAC-Daten der OECD (2016), zeigt beispielsweise ein deutlich höheres Risiko der Automatisierung, und damit dem Wegfall von Arbeitsplätzen, für Frauen. Es wäre zu vermuten, dass dieser Aspekt bei der Aufteilung von Hausarbeit und Erwerbsarbeit zwischen Männern und Frauen somit eine Rolle spielen könnte.

In meiner Bachelor-Arbeit bin ich der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen ein bedingungsloses Grundeinkommen auf die Geschlechtergerechtigkeit haben könnte. Anhand der theoretischen und empirischen Analysen lassen sich Vermutungen darüber anstellen, welche Risiken und Chancen sich unter den veränderten Rahmenbedingungen ergeben könnten.

Bevor ich es schaffe, meine Arbeit für eine Veröffentlichung in meinem Blog komplett aufzuarbeiten – besonders mit Blick auf den empirischen Teil, in dem ich alle Interviewdaten herausfiltern werde – möchte ich mein Fazit zum bedingungslosen Grundeinkommen in Bezug auf die Geschlechterdemokratie hier schon einmal vorab abbilden.

Die Geschlechterordnung, und damit die Vorstellung von der Rolle der Frau und des Mannes, sind tief in der Gesellschaft verankert, was direkte Auswirkungen auf die Geschlechtergerechtigkeit hat.

Anhand der Darstellung der Auswirkungen von staatlicher Steuerung und Transferleistungen in private Bereiche ließ sich nachzeichnen, wie stark diese Faktoren Einfluss auf die Geschlechterrollen und die Geschlechtergerechtigkeit hatten und bis heute haben. Die Annahme, dass sich ausgerechnet eine Sozialpolitik mit so umfangreichen Transferleistungen wie einem bedingungslosen Grundeinkommen förderlich auf die Geschlechtergerechtigkeit auswirken könnte, ist daher recht gewagt. Allerdings ist die Entkoppelung der sozialen Sicherung von der Erwerbsarbeit eine entscheidende Komponente, die man sicherlich zu den Chancen für die Geschlechtergerechtigkeit durch ein bedingungsloses Grundeinkommen zählen könnte. Hier müsste sich allerdings mittel- oder langfristig in Aushandlungsprozessen ergeben, dass sich diese Entkoppelung dann tatsächlich positiv auf die Wahlfreiheit zwischen Erwerbs- und Reproduktionsarbeiten von Frauen und Männern auswirkt. Die kurzen empirischen Eindrücke konnten diese Entwicklung allerdings nicht untermauern.

Weitgehende Verhaltensstarre, trotz verbaler Aufgeschlossenheit

Was sich sowohl in den theoretischen Analysen als auch in den Interviews erkennen ließ, ist die Diskrepanz zwischen Theorie und Wirklichkeit. In der reinen Vorstellung finden Frauen und auch Männer die gerechte Arbeitsaufteilung wichtig. In der Praxis sind traditionelle Rollenmuster weiterhin stabil und existent. Ulrich Beck bezeichnete dies in diesem Zusammenhang treffend als weitgehende Verhaltensstarre, trotz verbaler Aufgeschlossenheit. Diese Verhaltensstarre kam in den Interviews gleichermaßen zum Ausdruck, trotz verbaler Aufgeschlossenheit und darüber hinaus sogar trotz tatsächlichen Ungerechtigkeitsgefühlen, die aber dennoch nicht zu praktischen Veränderungen, bezogen auf die Geschlechtergerechtigkeit, führten.

Die in der Gesellschaft fest eingeschriebenen stereotypen Rollenbilder und das in Deutschland besonders stark ausgeprägte „Hausfrauenmodell“ erschweren es, die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung trotz sozialer Absicherung aufzubrechen.

Und auf der anderen Seite könnte sich sogar eine neue Koppelung ergeben, nämlich die des bedingungslosen Grundeinkommens an die Tätigkeit der privaten Reproduktionsarbeiten bei denjenigen, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen. Nur für diejenigen, die einer Erwerbsarbeit nachgehen und davon profitieren, dass beispielsweise die Partnerin oder der Partner die Reproduktionsarbeiten übernehmen, wäre das Grundeinkommen tatsächlich bedingungslos. Dass dies besonders für Frauen eine Verschlechterung bedeutet und nicht, wie in den theoretischen Analysen vermutet, eine Anerkennung von Reproduktionsarbeiten mit sich bringt, lassen auch die empirischen Eindrücke erkennen. Man könnte es durchaus als freundlich verpackte Retraditionalisierung bezeichnen, was wiederum ein großes Risiko für die Geschlechtergerechtigkeit wäre.

Geschlechtergerechtigkeit bedeutet, dass die Freiheit besteht, das Lebensmodell frei zu wählen, und eben nicht, dass eher unfreiwillig getroffene Lebensmodelle wenigstens in Form eines Grundeinkommens bezahlt werden. Das wäre zwar eine Anerkennung, auch eine wichtige Existenzsicherung, aber keine Verbesserung der Geschlechtergerechtigkeit.

Ein BGE könnte die Retraditionlaisierung der Geschlechterrollen befördern

Sowohl in den theoretischen Analysen als auch in den Befragungen hat sich gezeigt, dass mangelnde Vereinbarkeit und Zeitmangel auch dazu führen, dass geschlechtsspezifische Arbeitsteilungen gewählt werden oder sich zumindest so ergeben. Eine egalitäre Aufteilung unter einem bedingungslosen Grundeinkommen wäre also nur wahrscheinlich, wenn sich in der Arbeitswelt Lohnlücken zwischen den Geschlechtern verringern und gleiche Aufstiegschancen bestehen. Wie Studien zur Arbeit der Zukunft gezeigt haben, ist dies aber gerade nicht zu vermuten, viel wahrscheinlicher ist es, dass gerade Frauenberufe vermehrt von Digitalisierung betroffen sein werden und sich der Gender Pay Gap noch vergrößert. Die Existenzsicherung, die ein bedingungsloses Grundeinkommen garantiert und die von Frauen und Männern als positiv empfunden wird, könnte einer geschlechtergerechten Arbeitsteilung so zusätzlich entgegenstehen.

Das bedingungslose Grundeinkommen würde demnach für die generelle Existenzsicherung einiges verbessern, bezogen auf die Geschlechtergerechtigkeit, besonders unter den Rahmenbedingungen der Zukunft, könnte es aber die Retraditionalisierung der Geschlechterordnung befördern.

Als größte Chance stellt sich dar, dass Frauen durch ein geringeres Armutsrisiko eine bessere Verhandlungsposition erreichen könnten, um neue Aushandlungsprozesse zur geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung langfristig zu führen und zu gestalten.

Es zeigt sich, dass die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen besonders auch aus genderorientierter Perspektive geführt werden müsste, um den beschriebenen negativen Auswirkungen auf die Geschlechtergerechtigkeit entgegenwirken zu können. Dieser Aushandlungsprozess sollte in einer offenen Debatte in der Gesellschaft geführt werden. Dazu müssen die Gesellschaftsmitglieder aber wissen, welche Auswirkungen eine veränderte Sozialpolitik auf das soziale Zusammenleben und die Geschlechtergerechtigkeit überhaupt haben kann, denn diese gehen über rein finanzielle Aspekte weit hinaus.

Mit meiner theoretischen und empirischen Arbeit über die Risiken und Chancen eines bedingungslosen Grundeinkommens für die Geschlechtergerechtigkeit möchte ich daher einen Anstoß geben zur Reflexion auf gesellschaftlicher Ebene und für individuelle Aushandlungsprozesse. Meine Forschungsergebnisse verdeutlichen, dass die geschlechtergerechte Gestaltung des Zusammenlebens unter veränderten sozialpolitischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen notwendig ist, um die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern.  Weiterlesen „Bedingungsloses Grundeinkommen. Risiken und Chancen für die Geschlechtergerechtigkeit.“

„WE LOVE CODE! DAS KLEINE 101 DES PROGRAMMIERENS“

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Ein tolles Buch von Julia Hoffmann und Natalie Sontopski. Eine unterhaltsame Einführung in die digitale Welt – was ist Programmieren (Code is all around us) und welche Programmiersprache passt zu mir? Ein bisschen verliebt habe ich mich spontan in Ruby on Rails! ❤ Auch speziell für Girls @ Rails Girls

Und obwohl ich schon mit PHP angefangen habe, werde ich die Sprache mit dem coolen Logo auch unbedingt lernen. Ihr merkt schon, was das Buch besonders kann, ist Begeisterung und Neugier wecken. Und diese Leichtigkeit zu befördern, die sagt: Hey, why not?

Dazu erfährt man noch jede Menge über tolle Frauen, die bei der Entwicklung von Algorithmen, Computer und Programmierung entscheidende Rollen gespielt haben, wie beispielsweise Ada Lovelace, Hedy Lamarr oder Grace Hopper (Amazing Grace).

Und die Power der beiden Autorinnen und Gründerinnen von Code Girls steckt sowieso an. Und ein wenig Geek Speek lässt sich auch noch by the way lernen.
Wer eh schon Bock hatte mal Coden zu lernen, aber sich auch irgendwie nicht traute und/oder wenig Zeit hat, wird nach der Lektüre sehr wahrscheinlich damit anfangen. (Also Vorsicht! 😉)
Wer bis jetzt noch keinen Gedanken daran verschwendet hat, wird trotzdem jede Menge Spaß haben und auf keinen Fall dümmer… (und eventuell zumindest schon mal „Ruby“ googeln 

 

Zygmunt Bauman: Von der festen Moderne über die Postmoderne zur flüchtigen Moderne

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Zygmunt Bauman – Bildquelle: Social Europe

Zygmunt Bauman (geboren am 19. November 1925 in Posen, gestorben am 9. Januar 2017 in Leeds), der 1939 vor den Nazis in die Sowjetunion flüchtete, hatte als polnisch-britischer Soziologe von 1971-1990 den Lehrstuhl für Soziologie an der University of Leeds inne. Er wurde mit dem Amalfi-Preis und dem Theodor-W.-Adorno-Preis ausgezeichnet und erhielt 2014 den Preis für sein Lebenswerk von der Deutschen Gesellschaft für Soziologie.

In unserer Gesellschaft haben sich in den letzten Jahren große Umbrüche vollzogen, mit spürbaren Auswirkungen auf sämtliche Lebensbereiche. Ob es sich um politische Veränderungen und Krisen, Folgen der Globalisierung oder umfängliche Prozesse in Bezug auf die Digitalisierung handelt, immer hat dies auch Einfluss auf das gesellschaftliche Zusammenleben, unsere Arbeitswelt, soziale Beziehungen und auf die einzelnen Individuen.

In der Gegenwartsgesellschaft herrscht immer mehr das Gefühl, dass sich so einiges verändert hat, und dass diese Veränderungen  nicht unbedingt positiv für den Einzelnen sind. Es entstehen Unsicherheit und auch Ängste, denn die Veränderungen erscheinen oftmals so diffus, dass man sie nur schwer greifen oder gar belegen kann.

Der Soziologe Zygmunt Bauman, einer der bedeutendsten modernen Denker, hat sich in seinen Theorien der „flüchtigen Moderne“ genau damit beschäftigt. Heute ist er im Alter von 91 Jahren in Leeds gestorben. Bis zuletzt hat er sich in alle wichtigen Themen unserer Gegenwartsgesellschaft eingemischt. Auf der vorletzten re:publica hielt er beispielsweise einen fulminanten Vortrag „From Privacy to Publicity: the changing mode of being-in-the-world“ und referierte darüber, wie im digitalen Zeitalter  die Menschen ihre Privatheit aufgeben, um irgendwie dazu zu gehören. Der Auftritt lohnt sich anzuschauen: re:publica2015 meets Zygmunt Bauman.

Und in seinem gerade erst erschienen neuen Buch „Die Angst vor den anderen – Ein Essay über Migration und Panikmache“ beschäftigte er sich brandaktuell mit den Flüchtlingsströmen und den gewaltigen Herausforderungen für die einzelnen Nationen und der zunehmenden Xenophobie.

 Liquid Modernity

In seiner Liquid Modernity setzt er bei der Auflösung der festen Ordnung an. Die Gegenwartsgesellschaft ist durch Deregulierung und löchrige Sicherheitsnetze gekennzeichnet, wo Menschen, die der Gesellschaft keinen Nutzen mehr bringen, wie beispielsweise Kranke und Arbeitslose, aus der gesellschaftlichen Ordnung herausfallen und soziale Beziehungen nur noch oberflächlichen Charakter haben. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ aus dem Jahre 2005 beschreibt Bauman unsere heutige Gesellschaft folgendermaßen:

„Wir leben heute in der flüchtigen oder flüssigen Moderne, wie ich sie nenne, in Konsumgesellschaften, in denen menschliche Beziehungen auf flüchtigen Genuss beschränkt sind. Menschen sind nur so lange wertvoll, wie sie Befriedigung verschaffen. (…) Die Überflüssigen fallen aus dem Klassensystem, aus jeder gesellschaftlichen Kommunikation heraus und finden nicht wieder hinein“ (Interview: Wenn Menschen zu Abfall werden 2005, S.2-3).

Der Einzelne wird immer mehr dem freien Markt ausgeliefert, der Staat zieht sich  als ordnende Instanz zurück und Organisationen sowie Institutionen verlieren an Bedeutung. Die Bewältigung von Ambivalenzen wird privatisiert und den Individuen überlassen, die gezwungen sind Entscheidungen zu treffen, obwohl Ihnen die Grundlage für ihre Entscheidungswahl fehlt (vgl. Bonacker 2014, S.174-175).

Zygmunt Bauman hat sich in seinen Werken mit einem breiten Themenspektrum beschäftigt, so beispielsweise mit dem Holocaust, der Arbeiterbewegung, der Globalisierung und der Zukunft Europas. Während seines Schaffens entwickelte er die Begriffe der Gegenwartsbeschreibung von dem der „festen Moderne“, über die „Postmoderne“ hin zur aktuellen „flüchtigen Moderne“. Sein Ziel ist die Ausarbeitung und Entfaltung einer Soziologie gesellschaftlicher Ordnungsformen (vgl. Junge 2006, S.14-15).

Theoretische Beeinflussungen lassen sich bei Bauman in der Kapitalismus-Kritik von Karl Marx finden, die er zur Kritik an der Idee des Nationalstaates und Konsequenzen der Globalisierung weiterführt. Verbindungen mit den Arbeiten von Georg Simmel lassen sich in der Aneignung des „phänomenologischen Blicks“ finden und in der Annahme, dass soziale Phänomene auf der Makroebene immer auch in sozialen Prozessen auf der Mikroebene zum Ausdruck kommen (vgl. Junge/Kron 2014, S.6).

Mit seinem im Jahre 2000 erschienenem Werk „Liquid Modernity“ löst er sich vom Begriff der Postmoderne als Beschreibung der Gegenwart und wendet sich dem Begriff der „flüchtigen Moderne“ als Gesellschafsbeschreibung zu. Mit diesem Begriff beschreibt er  die Auflösung der festen Ordnung, die zu Deregulierung, geringerer Sicherheit und Ängsten, aber auf der anderen Seite scheinbar auch zu mehr Freiheit und Individualität in einer kontingenten Welt der grenzenlosen Möglichkeiten führt, in der sich für das Individuum der soziale Bezugsrahmen immer mehr auflöst. Der Staat liefert den Einzelnen dem freien Markt aus, das staatliche Sicherheitssystem wird abgebaut und Flexibilität gefordert.

So schreibt Bauman:

„Mit der Abdankung der zentralen Organisationskomitees, die sich um Ordnung und Regelmäßigkeiten, um die Differenz zwischen richtig und falsch kümmerten, erscheint die Welt heute als grenzenlose Ansammlung von Möglichkeiten: ein Container, randvoll mit zu ergreifenden oder verpaßten [sic!] Gelegenheiten“ (Bauman 2003, S.76).

Auch ist der Einzelne gefordert, die für sich besten Entscheidungen zu treffen.

„Alles ist auf die Ebene des Individuums heruntergebrochen. Die einzelnen müssen entscheiden, was sie wollen, was sie können und für welches Ziel sie ihr Können einsetzen wollen – zur größtmöglichen Befriedigung natürlich“ (Bauman 2003, S.77).

Bauman definiert fünf Aspekte der „flüchtigen Moderne“, die für die Lebenswelt der Individuen neue Herausforderungen darstellen und die die Auswirkungen der neuen Flüchtigkeit auf den Einzelnen verdeutlichen.

Erstens sind Strukturen, die die Entscheidungsspielräume des Einzelnen begrenzen und somit Orientierung für menschliches Handeln und langfristige Lebensstrategien bieten nur noch von kurzem Bestand. Zweitens verlagert sich die Möglichkeit des modernen Staates, effektiv zu handeln in den politisch unkontrollierten globalen Raum und lässt die Macht der politischen Institutionen schwinden, sich um die Probleme ihrer Bürger kümmern zu können. Diese Funktionen übernehmen unkontrollierte Kräfte des freien Marktes oder werden der Eigeninitiative des Einzelnen überlassen. Drittens löst sich das gemeinschaftliche Sicherheitsnetz immer weiter auf, da zum einen die staatliche Absicherung gegen Schicksalsschläge und individuelles Scheitern abgebaut wird, und zum anderen werden die Individuen dem Konsum- und Arbeitsmarkt ausgeliefert, was die Spaltung der Gesellschaft zur Folge hat. Die Gesellschaft definiert sich nur noch über zufällige Verbindungen. Viertens stellt sich das leben des Einzelnen nur noch als eine Aneinanderreihung kurzfristiger Projekte dar, zurückliegende Erfolge geben keine Garantie oder Sicherheit für die Zukunft. Dieses immer wieder aufs Neue kurzfristige Planen und Handeln führt zur Schwächung sozialer Strukturen. Fünftens trägt das Individuum sämtliche  Risiken und Konsequenzen für seine Wahlen und Entscheidungen, obwohl es diese aufgrund flüchtiger Strukturen und mangels Wissen gar nicht einschätzen oder begreifen kann. Aus der Tugend der Konformität in Bezug auf Regeln wird die Tugend der Flexibilität in Bezug auf Chancenergreifung und Veränderung (vgl. Bauman 2008, S.7-11)           .

Diese kompakte Darstellung Baumans verdeutlicht, wie sich die „flüchtige Moderne“ auf die Individuen auswirkt. Um die Tragweite dieses gesellschaftlichen Wandels verstehen zu können ist ein Blick auf die Merkmale der „festen Moderne“, wie sie Bauman beschreibt, unumgänglich.

 Ordnung und Ambivalenz

Bauman charakterisiert die „feste Moderne“ anhand der Schlüsselbegriffe Ordnung und Ambivalenz. Hauptmerkmal und Daueraufgabe der Moderne war es, Strukturen und soziale Ordnung herzustellen. Bauman beschreibt dies als permanenten Kampf gegen das Chaos. Dieses Chaos wird durch die Ambivalenz verursacht, die Bauman als „die Möglichkeit, einen Gegenstand oder ein Ereignis mehr als nur einer Kategorie zuzuordnen“ definiert (Bauman 2005, S.13).

Er sieht Ambivalenz als Hauptmerkmal von Vergesellschaftungsprozessen, die die Herstellung von Ordnung verhindert. In der „flüchtigen Moderne“ fällt die Regulation von Ambivalenz zurück an die Individuen, also auch die Verantwortung für die Herstellung von Ordnung (vgl. Junge 2014, S.69-70).

Um den Staat der Moderne zu beschreiben, der für die nötige Ordnung sorgte, die der Gemeinschaft Sicherheit und Planbarkeit brachte, nutzt Bauman die Garten-Metapher. Ohne den Gärtner gäbe es keine Ordnung in der Welt – zumindest in dem Teil, der ihm anvertraut ist – denn er entscheidet, welche Pflanzen am besten an einer bestimmten Stelle wachsen können und vor allem auch, was nicht gedeiht und als Unkraut aussortiert werden muss. Der professionelle und fachmännische Gärtner überlegt sich eine sinnvolle Ordnung für seine Pflanzenwelt und erfüllt dann alle Maßnahmen, um diese von ihm erdachte Ordnung umzusetzen. Dieser Gärtner als Ordnungshüter der modernen Gesellschaft wurde in der „flüchtigen Moderne“ allerdings vom Jäger abgelöst, der – in der verwendeten Vorstellung von Bauman – kein Interesse an einer Ordnung hat, sondern nur schnelle Beute machen möchte. So haben die beschriebenen Jäger der „flüchtigen Moderne“ keine Ziele mehr und verfolgen kurzfristige Eigeninteressen. Dies führt dazu, dass jeder gegen jeden agiert (vgl. Bauman 2008, S. 144-148).      

Ein Grund, weshalb der Staat die Gärtner-Funktion verloren hat, beschreibt Bauman in Anlehnung an Michel Foucault mit der Metapher des Panoptikums.  Laut dieser Metapher konnte der Staat schon dadurch für Ordnung sorgen, weil die Bewohner sich jederzeit überwacht fühlten, da sie das Wachpersonal aufgrund der Form nicht sehen konnten, mussten sie jederzeit davon ausgehen, dass die Bewacher anwesend waren (vgl. Bauman 2003, S.17-18). Die Insassen des Panoptikums ließen sich kontrollieren und überwachen, um als Gegenleistung Sicherheit und Ordnung zu erhalten (vgl. Bauman 2007, S.174-175).

Nachdem der Nationalstaat sich aber immer mehr zurückgezogen hat, seine regulierenden Machtfunktionen eingeschränkt hat und auch immer weniger als Wächter und Gärtner fungierte, sind seine Bürger mit dem Kampf gegen die Ambivalenz und dem Versuch der Herstellung von Ordnung und Sicherheit auf sich alleine gestellt.

„Ambivalenz ist aus der öffentlichen Sphäre in die private übergegangen, seit keine weltliche Macht mehr Neigung zeigt, sie auszulöschen. Sie ist jetzt im großen und ganzen eine persönliche Angelegenheit. Wie so viele andere global-gesellschaftliche Probleme muß [sic!] dieses jetzt individuell angepackt und, wenn überhaupt, mit individuellen Mitteln gelöst werden. Die Erlangung von Klarheit der Absicht und Bedeutung ist zu einer individuellen Aufgabe und persönlichen Verantwortung geworden. Die Anstrengung ist etwas persönliches. Und ebenso das Scheitern der Anstrengung. Und der Vorwurf für das Scheitern. Und das Schuldgefühl, das der Vorwurf mit sich bringt“ (Bauman 2005, S.239). 

„Flüchtige Gesellschaft“ als Konsumgesellschaft

Zygmunt Bauman beschreibt die Gesellschaft der „flüchtigen Moderne“ als Konsumgesellschaft, in der die Teilhabe davon abhängt, ob der Mensch ökonomische Möglichkeiten hat zu konsumieren. Da die Armen nur mangelhafte Konsumenten sind, ist ihnen der Zutritt in die Gesellschaft verwehrt (vgl. Bauman 2007, S.187-188).

Der Konsum hat zum Wandel der Gesellschaft beigetragen, ihre Mitglieder haben sich gewandelt vom Produzenten zum Konsumenten. Das Leben des Produzenten war gekennzeichnet durch das Einhalten von Konformität und begrenzt durch normative Regeln. Das Leben des Konsumenten dagegen ist weitgehend normfrei, der Himmel scheint die einzige verbleibende Grenze (vgl. Bauman 2003, S.93).

Eine Befriedigung der Wünsche ist nicht vorgesehen, auf jeden erfüllten Wunsch muss sogleich wieder ein neuer Wunsch folgen. Den fortwährenden Zwang zum Konsum beschreibt Bauman in einem Interview „Konsum macht einsam“ mit der Süddeutschen Zeitung folgendermaßen:

„Der Markt ist ein unerbittlicher Richter, der Entscheidungen zwischen dem Drinnen- und Draußensein fällt und keine Berufungsverfahren zulässt. Unwillige Konsumenten oder aber schwache Anbieter ihrer selbst sind wie ausgestoßen. In der liquiden Gesellschaft der Konsumenten ersetzen Schwärme zunehmend hierarchisch geprägte Gruppen. Schwärme sind keine Teams, sondern existieren lediglich durch eine mechanische Solidarität“ (von der Hagen 2011, S.3).

Zygmunt Bauman zeichnet kein sorgenfreies Bild für das Individuum in der „flüchtigen Moderne“, die ebenfalls Menschen zu Abfall werden lässt, wenn sie für die Konsumgesellschaft keinen Nutzen mehr bringen. Dies betrifft beispielsweise Flüchtlinge, Staatenlose, Entwurzelte und auch Arbeitslose (vgl. Interview: Wenn Menschen zu Abfall werden 2005, S.3). Und da sich vor Arbeitslosigkeit kein Mensch komplett schützen kann, ist der Befund, zum Abfall der Gesellschaft zu werden, für jeden eine sehr reale Drohkulisse, die es gilt mit aller Kraft zu verhindern.

Seine starke kluge Stimme wird der Welt fehlen. Für mich persönlich war er ein Vorbild, ein Mensch der mit der Zeit geht, der sein Denken mit der Zeit weiterentwickelt, wie er mit seinen Theorien deutlich zeigte. Zygmunt Bauman wird fehlen.

Literatur:

Bauman, Zygmunt (2003): Flüchtige Moderne. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 2447).

Bauman, Zygmunt (2005): Interview: Wenn Menschen zu Abfall werden. Online verfügbar unter http://www.zeit.de/2005/47/st-bauman_alt, zuletzt geprüft am 24.03.2016.

Bauman, Zygmunt (2005): Moderne und Ambivalenz. Das Ende der Eindeutigkeit. Neuausg. Hamburg: Hamburger Ed.

Bauman, Zygmunt (2007): Flaneure, Spieler und Touristen. Essays zu postmodernen Lebensformen. Hamburg: Hamburger Ed.

Bauman, Zygmunt (2008): Flüchtige Zeiten. Leben in der Ungewissheit. Hamburg: Hamburger Ed.

Bonacker, Thorsten (2014): Moderne und postmoderne Gemeinschaften. Baumans Beitrag zu einer Theorie symbolischer Integration. In: Matthias Junge und Thomas Kron (Hg.): Zygmunt Bauman. Soziologie zwischen Postmoderne, Ethik und Gegenwartsdiagnose. 3., erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 153–186.

Hagen, Hans von der (2011): Konsum macht einsam. Interview mit Zygmunt Bauman. Online verfügbar unter http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/2.220/interview-mit-zygmunt-bauman-konsum-macht-einsam-1.1049496, zuletzt geprüft am 23.03.2016.

Junge, Matthias (2006): Zygmunt Bauman: Soziologie zwischen Moderne und Flüchtiger Moderne. Eine Einführung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (Lehrbuch).

Junge, Matthias (2014): Ambivalenz: eine Schlüsselkategorieder Soziologie von Zygmunt Bauman. In: Matthias Junge und Thomas Kron (Hg.): Zygmunt Bauman. Soziologie zwischen Postmoderne, Ethik und Gegenwartsdiagnose. 3., erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 69–86.

Junge, Matthias; Kron, Thomas (Hg.) (2014): Zygmunt Bauman. Soziologie zwischen Postmoderne, Ethik und Gegenwartsdiagnose. 3., erw. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.